Schriesheim

Kundgebung Kultusministerin Susanne Eisenmann hält im Festzelt keine Hau-drauf-Rede, sondern eher einen Vortrag zur Bildungspolitik

„Nicht nur planen, sondern auch bauen“

Mit welchen Gefühlen sie denn ins Festzelt geht, wird sie bei der Pressekonferenz gefragt, die der Kundgebung vorausgeht. „Ich hoffe auf ein gutes Mikrofon“, lacht sie. Dann habe sie keine Sorge durchzudringen: „Meine Mamma hat immer gesagt, ich sei scho e bissel e lauti“, schwäbelt sie. Am Ende spricht Susanne Eisenmann zwar deutlich, hält dann aber doch keine Hau-drauf–Rede. Eher eine sachliche, mit der die Kultusministerin aber dennoch oder gerade deshalb ankommt.

Für die CDU-Politikerin ist es ein Tag der Gegensätze. Morgens noch ist sie in Winnenden, um den Opfern des Amoklaufes von vor zehn Jahren zu gedenken. Als sie vor der Weinstube Hauser ankommt, zeugt ihre schwarze Kleidung davon. Doch sie ist Profi genug, sich auf den neuen Termin einzustellen, zumal der Empfang für sie hier sehr herzlich ist.

Realschulrektorin Petra Carse etwa und ihr Stellvertreter Michael Schneider sind gekommen, um mit den Schülern Larissa Reinhard und Kai Jörder Erzeugnisse ihres schuleigenen Wingerts zu überreichen – „drei Flaschen mit eigens für die Ministerin gestaltetem Etikett“ (Carse).

Nach einer halben Stunde geht es ins Gewerbezelt. Natürlich ist der Stand zur Nachwuchswerbung fürs Handwerk das wichtigste Ziel, die Montagsmädchen das stürmischste.

„Begeistert“ von Schriesheim

Der Tross erreicht das Festzelt. Kurz nach dem Eintreten verharrt er, um der Blaskapelle Gelegenheit zu geben, den Einzugsmarsch anzustimmen. Derweil schweift der Blick ins Zelt; im hinteren Bereich ist noch Platz. Gut 1000 Besucher sind da. Eisenmann darf dennoch zufrieden sein: Wo sonst kann Politik eine solche Zahl von Menschen direkt erreichen. „Ich bin begeistert“, lauten denn auch die ersten Worte ihrer Rede: „Ihr könnt offensichtlich nicht nur arbeiten, sondern auch feiern.“

Günther Hieber, der kämpferische Präsident des BdS, spricht an, was seinen Verband bedrückt. Etwa die Dieselfahrverbote. Am Ende tritt er mit zwei schönen Versprechern schon fast in die Fußstapfen seines dafür bekannten Vorgängers Rolf Kurz, als er die „Weinholheiten“ und den „Oberbürgermeister“ Höfer begrüßt. Alle nehmen es, wie es hier üblich ist, natürlich mit Humor.

Höfer zeigt sich stolz, „unsere Ministerin hier begrüßen zu dürfen“. Als Schulträger mahnt er jedoch eine Entbürokratisierung der Schulen an: „Derzeit müssen sie 24 Statistiken erstellen. Was damit passiert, weiß kein Mensch.“ Weinkönigin Annalena Spieß wirbt für mehr Praktika, indem sie über ihr eigenes Freiwilliges Soziales Jahr in einer Schule berichtet: „Beides sind gute Mittel für diejenigen, die nicht wissen, wie es mit ihnen beruflich weitergehen soll.“

Die Ministerin hat dafür einige gute Ratschläge parat. „Auf den Beweis, dass ein Kulturwissenschaftler mehr verdient als ein Schreinermeister, warte ich noch“, warnt sie vor einer zu starken Akademisierung der Gesellschaft: „Der Mensch fängt nicht beim Abitur an“, lautet auch so ein Satz, der beim hiesigen Publikum aus dem Mittelstand natürlich Beifall findet. Wie ein anderer: „Wir brauchen nicht nur Leute, die Häuser planen, sondern auch bauen.“

Werkrealschulen erhalten

Diese Sicht schlägt sich auch in ihrer Politik nieder. „Ich werde um jeden jetzigen Haupt- und Werkrealschulstandort kämpfen“, verspricht sie: „Der Haupt- und Werkrealschulen den Stempel ‘Restschule‘ aufgepfropft zu haben, war ein Fehler.“

Ganz still wird es im Zelt, als die Ministerin ihren morgendlichen Besuch in Winnenden anspricht. „Wir müssen lernen, uns mit Respekt gegenüberzutreten“, mahnt sie eindringlich: „Unabhängig von Religion, Hautfarbe, Geschlecht und Kultur.“ Dies beginne schon im Privatleben: „Nicht einfach nur fragen ‘Na, wie geht‘s‘, sondern auch die Antwort abwarten.“ Viele nicken heftig.

Nach knapp 45 Minuten endet die Rede. Der Applaus ist nicht überschwänglich, aber höflich, ja freundlich. Es sei kein einfaches Thema für ein Zelt gewesen, springt Höfer der Rednerin bei und überreicht ihr als Geschenk Pralinen. BdS-Chef Hieber dagegen zeigt sich vollauf zufrieden: „Sie haben die Probleme nicht nur beschrieben, sondern konkrete Lösungsansätze aufgezeigt.“

Info: Bilderstrecke unter morgenweb.de/mathaisemarkt