Schriesheim

Schriesheim Thomas Kröber wohnt erst zwei Jahre in der Weinstadt / Seit der Kommunalwahl Vertreter der AfD im Gemeinderat – als einziger in der Region

Ökologie und Bauen als Schwerpunkte

Archivartikel

Wer mit ihm spricht, der kann noch einen ungewohnten Dialekt vernehmen. Denn aufgewachsen ist Thomas Kröber in Bayern, erst seit zwei Jahren lebt er in Schriesheim. Seit der jüngsten Kommunalwahl vertritt er die „Alternative für Deutschland“ im Gemeinderat Schriesheim – die Weinstadt ist die einzige Kommune im Verbreitungsgebiet dieser Ausgabe, in der die AfD dies geschafft hat.

Kröber wird 1966 in München geboren, studiert physikalische Technik, arbeitet zunächst beim TÜV, heute für eine Firma in Offenbach. Durch Heirat mit einer Heidelbergerin kommt er nach Schriesheim, zieht in ein Haus auf dem Branich.

„Früher habe ich grün gewählt“, erläutert er seine politische Entwicklung. Die Flüchtlingskrise 2015 führt ihn zur AfD. Wo verortet er sich in deren innerparteilichen Spektrum? „Ich würde mich zum ‘Flügel‘ zählen“, bekennt Kröber: „Dort ist man eher geneigt, die Dinge beim Namen zu nennen“, begrüßt er diesen „Mut zur Wahrheit“. Andere Teile der AfD strebten zu sehr danach, sich der CDU anzunähern: „Das halte ich derzeit nicht für geboten.“

Und was meint Kröber zum Vormann des „Flügels“, Björn Höcke, und seinen Äußerungen über die deutsche Geschichte? „Ich kenne keine Aussage, die gegen das Grundgesetz verstößt“, entgegnet Kröber. Sicher sei manches unglücklich formuliert gewesen: „Aber er ist auch bewusst missverstanden worden.“ Auch Kröber lehnt es ab, die deutsche Geschichte auf „ein paar Jahre zu reduzieren“. Auf die Frage, ob er mit den in der Stadt verlegten „Stolpersteinen“ leben könne, antwortet er allerdings: „Natürlich, ja klar.“

Dass er das einzige Mandat hält, das die AfD bei der Wahl in Schriesheim errang, war für Kröber eine Überraschung. Denn er war ja erst Nummer 2 auf der Liste, nach Jan Spatz. „Ich hätte eher gedacht, dass ich den Kreistag komme“, bekennt er. Doch nun sitzt er im Gemeinderat, Spatz dafür im Kreistag. In der ersten Sitzung des Gemeinderates fühlte er sich gut aufgenommen: „Ich denke, die Kollegen sehen, dass auch AfD-Mitglieder ganz normale Menschen sind.“ Bedauerlich findet er jedoch, dass er an den Fraktionssprechersitzungen mit dem Bürgermeister nicht teilnehmen darf.

In Schriesheim, so räumt er ein, kennt er sich noch nicht so gut aus: „Ich wohne erst seit zwei Jahren hier, und beruflich bin ich oft im Außendienst.“ Das erste Thema, dem er sich im Gemeinderat widmen muss, ist am Mittwoch die Abstimmung über die Schulsanierung. Sein erster Eindruck: „Die Kosten laufen davon, bevor es überhaupt losgeht.“

„Absolut gegen Windkraft“

Sein eigener Schwerpunkt ist die Windkraft: „Da sind wir absolut dagegen“, macht er klar: „Gerade als Ingenieur sehe ich diese Energieform sehr kritisch.“ Aber auch aus ökologischen Gründen; der Flächenverbrauch sei zu groß. Gerade dieses Thema eigne sich für einen Bürgerentscheid in Schriesheim. Ohnehin will Kröber die direkte Demokratie auch vor Ort ausbauen.

Zweites Anliegen Kröbers: Das Erscheinungsbild des Branichs erhalten. Seinem Eindruck nach werden bei Baugenehmigungen zu viele Ausnahmen erteilt. „Die AfD ist die Partei von Recht und Ordnung“, sagt er: „Und beim Bauen sollen dafür Bebauungspläne sorgen. Aber die muss man dann auch einhalten.“

Aus ökologischen Gründen sieht er das geplante Baugebiet Süd sehr kritisch: „Geld für die Schulsanierung einzunehmen, ist für mich kein ausreichender Grund.“ Auch strukturpolitisch sei dies falsch: „Dadurch zieht man Bürger aus dem Odenwald an und schwächt den ländlichen Raum dort.“ Aus Umweltgründen lehnt er auch den Friedwald ab: „Dadurch entsteht eine Zersiedelung im Wald“, erläutert er: „Außerdem habe ich was dagegen, auf Gräbern spazieren zu gehen.“

Zum Flüchtlingsthema äußert er sich erst auf Nachfrage: „Meine Meinung ist, dass die Stadt zur Unterbringung der meisten Flüchtlinge nicht verpflichtet ist, da diese über sichere Drittländer eingereist sind, sich also illegal hier aufhalten.“ Doch er ist sich bewusst, dass die Mehrheit im Rat dies anders sieht.

In die Legislaturperiode fällt die Neuwahl des Bürgermeisters Ende 2021 – bei der AfD schon Thema? „Nein, das spielt noch keine Rolle“, sagt Kröber. Er selbst hat kein Interesse anzutreten. „Das muss jemand machen, der mehr Erfahrung in Schriesheim hat.“ Schon eher interessiert ihn die Kandidatur hier im Wahlkreis zur Landtagswahl 2021.