Schriesheim

Schriesheim Deutsches Rotes Kreuz spendet Lebensmitteltüten / Abholung am Samstag / Boutique in Heidelberger Straße schließt

Örtliche Tafel sucht neue Räume

„Es kann nicht sein, dass sich die Stadt ihrer Verantwortung entzieht und die Bürde der Kirche auferlegt, die Stadt muss mit ins Boot“, sagt Pfarrerin Suse Best. Damit meint sie unter anderem den Umstand, dass die Mannheimer Tafel ihre Verteilung vor dem Zehntkeller eingestellt hat. Doch nicht nur das: Bereits vor Beginn der Corona-Pandemie war die Lebensmittelversorgung Bedürftiger eingeschränkt. Aufgrund ihres defekten Kühlwagens mussten die Versorger auf einen Sprinter umsteigen. Da er keine Kühlung hatte, konnte er Schriesheim nur bei Temperaturen unter 25 Grad anfahren.

„Nachdem uns der Ausfall des Kühlfahrzeuges mitgeteilt wurde, hat die Stadt Spenden gesammelt, um ein zweites Fahrzeug zu kaufen“, teilt Bürgermeister Hansjörg Höfer auf Anfrage dieser Redaktion mit. Die Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hätten der Stadt allerdings gesagt, dass ein Ladenlokal mit Lager geeigneter sei, da die Ehrenamtlichen dort nicht der Witterung ausgesetzt seien.

Erst einmal 50 Einheiten

Am Mittwoch haben die Leiterin des Begegnungszentrums Mittendrin, Christine Vierling, und Best 50 mit Lebensmitteln wie Reis, Nudeln, Konserven, Keksen oder Hygieneartikeln gefüllte Tüten entgegengenommen. Diese können am Samstag von 9 bis 12 Uhr abgeholt werden. Die Lebensmitteltüten werden an alle, unabhängig von einem Berechtigungsausweis, abgegeben. Wenn die Tüten vergriffen sind, gibt es voraussichtlich Nachschub.

Best informiert noch, dass die evangelische Kirchengemeinde der Leiterin des Sozialamtes, Christine Söllner, Strahler im Wert von 2000 Euro bereitstellen werde. Was Hubert Mitsch vom DRK sauer aufstößt, ist, dass sich Höfer bislang in Schweigen bezüglich eines neuen Standorts der Tafel gehüllt habe: „Vor gut einem dreiviertel Jahr habe ich an ihn geschrieben und ihn gebeten, bei der Suche nach einem festen Lebensmittelausgaberaum und einem Lager behilflich zu sein, ich habe keine Antwort bekommen.“

Der Bürgermeister betont auf Anfrage der Redaktion, dass die Stadt versuche, einen geeigneten Standort zu finden: „Leider konnten wir bis heute kein bezahlbares, großes Ladenlokal finden.“ Wegen der Corona-Pandemie sei die Konversation mit den Verantwortlichen derzeit sehr eingeschränkt. Die Stadtverwaltung ziehe sich aber nicht aus der Verantwortung zurück.

Warum der Standort unter dem Dach der Turnhalle vor dem Zehntkeller nicht gerade günstig sei, erklärt Mitsch damit, dass die Kunden im Freien stünden. „Gerade vor dem Zehntkeller und der Schule schämen sich die Menschen für ihre Armut.“

Aus für den Second-Hand-Laden

Weiter berichtet er, dass regelmäßig 30 Familien zur Ausgabestelle gekommen seien: „Hinter ihnen stehen weitere 70 bis 80 Personen.“Berechne man noch die von Söllner angegebene Zahl der Menschen mit ein, die Grundsicherung beziehen, dann würden um die 1000 Bürger die Schriesheimer Tafel in Anspruch nehmen. Daher sei ein fixer Punkt für sie mehr als wichtig.

Ab dem 14. Mai ist das Mittendrin immer dienstags geöffnet. Mitsch gibt noch bekannt, dass Ende des Jahres der DRK Second Hand-Laden endgültig schließen muss. Das Geschäft verkauft seit 2014 in der Heidelberger Straße Mode und Accessoires zu günstigen Preisen, und das nicht nur an Menschen mit Sozialpass.

„Der Mietvertrag wurde nicht mehr verlängert“, bedauert Mitsch. Er fügte noch hinzu, dass aufgrund der Corona-Bestimmungen und zum Schutz der Helfer vom Arbeitskreis Schreisheimer Senioren (ASS) das Geschäft noch bis auf Weiteres geschlossen bleiben wird. (mit tge)