Schriesheim

Schriesheim Altstadtrat Franz Neumann feiert 85. Geburtstag

Ortspolitik mit Kunstsinn

Archivartikel

Es ist wohl der erlauchteste Stammtisch Schriesheims. Einer, dem nur prominente ehemalige CDU-Stadträte angehören: Siegfried Schlüter, Heinrich, Kling, Paul Stang, Isolde Nelles und – als Bruder im Geiste – Altbürgermeister Peter Riehl. Eine Runde, die an die großen Zeiten der Union erinnert, ja diese geradezu personifiziert. An diesem Freitag kommt sie bei einem zusammen, der ebenfalls zu ihr gehört, feiert er doch seinen 85. Geburtstag: Altstadtrat Dr. Franz Neumann.

Sowohl seine Verdienste um die Weinstadt als auch das Ansehen des Jubilars in Schriesheim sind umso bemerkenswerter, als er nicht hier, sondern weit entfernt, in Oberschlesien, das Licht der Welt erblickt. Erst sein Medizinstudium in Heidelberg führt ihn in die Kurpfalz. Nach dessen Abschluss wird er in Mannheim tätig: zunächst im Theresien-, später als Oberarzt am Heinrich-Lanz-Krankenhaus.

Nach Schriesheim kommt der Jubilar im Jahre 1969, eröffnet hier seine Praxis, begründet damit seinen Ruf als ebenso fachlich gewissenhafter wie menschlich engagierter Hausarzt „alter Schule“. Von dieser Position aus ist es nicht weit zum gesellschaftlichen, konkret: kommunalpolitischen Engagement. Im Gemeinderat ergänzt das CDU-Mitglied 1975 bis 1994 die stark vertretene Riege der Mediziner.

Im Rat gehört neben dem Sozialen der Kunst und der Kultur sein Engagement. Franz Neumann gilt als politischer „Vater“ des Museums Theo Kerg. Denn er und seine Ehefrau Dr. Ingrid Neumann sind es, die den Meister bereits Jahre zuvor kennen und schätzen, deren bleibendes Verdienst es ist, dass dessen Ouevre seine Heimat in Schriesheim findet.

Vater des Kerg-Museums

Denn in gereiftem Alter fragt der große Künstler sein Arzt-Ehepaar um Rat, wo seine Werke bewahrt werden können, wenn er selbst nicht mehr ist. Die Neumanns denken natürlich zuerst an ihre Heimatstadt und verschaffen Schriesheim damit in der Rückschau ein kulturelles Kleinod.

Viele auch im politischen Raum sehen es damals anders. Ohne den engagierten Einsatz von Franz Neumann hätte das Projekt im konservativen Lager keine Unterstützung. Dass am Sonntag nur zwei Tage nach Neumann das Museum 30. Geburtstag feiern kann, ist natürlich Zufall, aber von schöner Symbolik.

Auch sonst ist Neumann Vertreter des Bildungsbürgertums im besten Sinne des Wortes: Er beherrscht sieben Sprachen vornehmlich aus dem romanischen Raum, wirkt als Übersetzer russischer Fachliteratur.

So ehrt ihn der Kulturkreis 2010 als „Schriesheimer des Jahres“. Bürgermeister Höfer lobt damals: „In Ihnen brennt ein Feuer: die Kunst“.