Schriesheim

Schriesheim Kurpfalz-Gymnasium räumt bei Ideenwettbewerb ab / Schulpreis und die drei ersten Einzelpreise geholt

Platz eins für ein Ventil, das den Luftdruck im Reifen anzeigt

Der Oktober - er ist der Monat, in dem traditionsgemäß die Nobelpreise für Physik, Chemie sowie andere Natur- und Geisteswissenschaften bekannt gegeben werden. Irgendwie die passende Zeit, auch Nachwuchsforscher auszuzeichnen, könnte man sagen. Das von Jürgen Sollors geleitete Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim (KGS) konnte gestern Vormittag gleich ein Dutzend davon präsentieren.

Die Vorgeschichte: Vor acht Jahren erhielt das in Wiesloch ansässige Maschinenbau-Unternehmen Zahn einen Innovationspreis. Firmenchef Harald Zahn beschloss daraufhin, das Preisgeld als Grundstock eines Ideenwettbewerbes für Schulen zu verwenden, den er seither regelmäßig ausschreibt.

Schüler sollen die Idee für eine Erfindung erarbeiten, die ihrer Meinung nach entwickelt werden sollte - keine Wolkenkuckucksheime, sondern alltagstaugliche, die theoretisch die Chance haben, für ein Patent angemeldet werden zu können.

Als Physiklehrer Achim Wagenblaß von Schulleiter Sollors auf die Ausschreibung aufmerksam gemacht wurde, da wurde er sofort aktiv: "Es gibt ja viele derartige Wettbewerbe, aber dieses Konzept hat mich spontan angesprochen", berichtet er. Denn es erfordert Fantasie und Kreativität der Jugendlichen, ohne allzu aufwendige Arbeiten nach sich zu ziehen; denn selbst bauen müssen die Schüler die von ihnen ausgedachten Erfindungen noch nicht.

Die Resonanz in der Schule gab dem engagierten Pädagogen Recht. Gut 120 Schüler beteiligen sich und reichten - da sich einige zusammentaten - exakt 84 Ideen ein. Und auch das Ergebnis übertraf alle Erwartungen: Die Jury aus Firmenchef Zahn und anderen Fachleuten vergab den mit 500 Euro dotierten Preis für die beste Schule an das KGS. Immerhin hatte es mit acht Schülerpreisen fast die Hälfte der insgesamt 15 verliehenen Auszeichnungen für sich verbuchen können, davon die ersten drei.

Platz 1: Der erste Einzelpreis ging an Joshua Behringer. Der begeisterte Montainbike-Fahrer, der in diesem Schuljahr sein Abitur macht, widmete sich einer Frage, die viele Radler kennen: Habe ich den richtigen Luftdruck im Reifen? Joshua entwickelte das Konzept einer Ventilkappe, die ihre Farbe dem Luftdruck im Reifen anpasst. "Wird sie rot, heißt das: Aufpumpen!" Sein Preisgeld von 400 Euro steckte er denn auch in den Kauf eines neuen Monutainbikes.

Seine Idee begeisterte die Juroren; sie empfahlen dem Jungen, mit der Sache am Ball zu bleiben. "Sie sagten auch, dass noch niemand in der Geschichte des Wettbewerbs den ersten Preis so eindeutig gewonnen hat wie er", freut sich Projektleiter Wagenblaß für seinen Schüler.

Zumal dies nicht der einzige Ideenblitz des Jungen war: Gemeinsam mit seinem Freund Leon Kübler, der bei der gestrigen Ehrung verhindert war, konzipierte er einen flexiblen Stromstecker - als Mitglieder der schuleigenen "Arbeitsgemeinschaft Veranstaltungstechnik" wissen beide derartigen Komfort zu schätzen.

Platz 2: Er ging an Michael Nitzsche. "Bei langen Autofahrten habe ich gemerkt, dass der Nacken schnell steif wird", erzählt er. Als Mittel dagegen entwickelte er das Konzept eines etwa ins Hemd integrierten aufblasbaren Kragens: "Der wirkt dann wie ein Nackenkissen."

Platz 3: Dilan Güngör, Lucian Häfele und Luca Menges entwarfen ein klappbares Geodreieck. Wer sich fragt, warum so etwas sinnvoll sein sollte, der muss sich nur an seine eigene Schulzeit erinnern: "Unser klappbares Geodreieck passt in jedes Möppchen", erläutert Lucian.

Ein ganz anderes Problem von Jugendlichen löste Tim Ufer. "Wenn bei Videospielen was nicht klappt, dann werden sie leicht sauer, und darunter leidet dann die Tastatur", schmunzelt er. Also entwickelte er eine Art Pratze: "Darauf kann man dann seinen Unmut auslassen."

Simon Schaller wiederum konzipierte eine Krawatte, die sich als Kissen zum Krafttanken ("Powernapping") aufblasen lässt, Luca Menges eine Sitzheizung im Fahrradsattel.

Auch diese Ideen wurden von den Juroren gewürdigt - ebenso wie jene von Nelly Warmuth und Kaya König. Wieso gibt es gerade am KGS so viele gute Ideen? Direx Sollors hat da eine eindeutige Antwort: "Gute Schule - kluge Köpfe!"