Schriesheim

Schriesheim Kabarettist Philipp Weber gastierte beim Kulturherbst der Grünen

Pointen, bis das Mikro „leer gebabbelt“ ist

Archivartikel

Traget die Kunde in die Welt: Philipp Weber, Kabarettist aus Amorbach im Odenwald mit literarischer Ader, hat ein neues Programm. Ein bisschen irre und ziemlich witzig geht es um Werbung und deren Mechanismen, um Marketing und dessen Tricks. Mit „Weber No 5: Ich liebe ihn“ eröffnete er den „Kulturherbst der Grünen“ im Zehntkeller. Das Fazit: ein vergnüglicher und anspruchsvoller Abend. Sehenswert, aber auch anstrengend.

Das Leben als Kabarettist scheint für Weber nämlich ein ständiger Kampf gegen die Zeit zu sein. Mit beschleunigter Stimme ist der selbsternannte Verbraucherschützer, studierte Chemiker und Biologe leidenschaftlich unterwegs, die Bühne wird zum Spielfeld. Der 44-Jährige schaut hinter die Kulissen der Marketing-Mechanismen: schnell, hart, kenntnisreich und politisch pointiert. „Marketing vernebelt den Verstand und regt die wichtigsten Sinne an: den Blödsinn, den Wahnsinn und den Irrsinn.“ Denn wenn er keinen Milchschäumer hätte, würde er seinen Kaffee eh lieber schwarz trinken. Und schließlich sollen Werbekampagnen nicht anständig sein, sondern zum Erfolg führen: „Frei nach Goebbels: ein Volk, ein Reich, ein Rührer.“

Ob er sich vorstellen könne, Werbung zu machen, fragt ihn sein Agent: „Wo simmer denn! Ich bin Kabarettist“. Allerdings: Der schnöde Mammon gewinnt, wenn die Prämie stimmt. Also dann eben bio-faire Pflegeprodukte von resozialisierten Taliban nach Demeter-Richtlinien. Oder Werbung für einen Neuwagen? Das ist aber kompliziert: „Muss ich beim Eintritt in die Atmosphäre dann wieder den Warnblinker setzen?“ Seine Überforderung im piependen und blinkenden Cockpit samt Assistenten-Unterstützung beim Einparken und sonst wo erntet viele einsichtige Lacher.

Ein Abend ohne Durststrecken

Weber ist als Mitglied einer Künstlerkaste ein verdammt guter Texter, komisch - und auch richtig böse. Seine Pointen schickt er Schlag auf Schlag ins Publikum, er schont weder sich noch andere, legt den Finger in die Wunde: „Lieber ein Bio-Deutscher, als ein Pestizid-Pole.“ Für Bettler mit Pappschild am Straßenrand hat er einen besonderen Marketing-Tipp: „Arbeitsloser Asylant braucht Geld für Kondome, sonst werden wir noch mehr.“ Hoppla, das sitzt aber. Man muss genau hinhören, um nichts zu verpassen. Durststrecken gibt es keine. Einmal muss sogar sein Techniker einspringen und den Akku für das Mikrofon wechseln. „Leer gebabbelt.“ Manchmal trifft der direkte Kontakt mit dem Publikum auch nicht jeden Geschmack.

Macht aber nichts, trägt letztlich doch zur guten Stimmung bei, und nach zwei Stunden Programm gibt es viel Applaus für den Kabarettisten aus dem Odenwald.