Schriesheim

Schriesheim Rotweinwanderung leidet unter unfreundlichem Wetter / Weniger Besucher als in den vergangenen Jahren

Pünktlich zum Start hört der Regen auf

Archivartikel

Normalerweise spielt das Wetter bei der traditionellen und äußerst beliebten Rotweinwanderung in Schriesheim eine eher untergeordnete Rolle. Sowohl die Veranstalter, das Team um den Verkehrsverein, wie auch die teilnehmenden Winzer und Wirte wissen schließlich: Einen echten Rotwein-Wander-Freund kann kein noch so grauer Himmel von diesem Kulturereignis abhalten. So wie Karin Wagner. „Ich glaube, dass wir heute das sechste oder siebte Mal dabei sind“, erzählt die Pfälzerin, die mit ihren Kegeldamen in die Weinstadt gekommen ist.

Gleichwohl ist am Sonntag schon zum Auftakt erkennbar, dass der verregnete Vormittag doch seinen Tribut forderte: Versammelten sich in den vergangenen Jahren schon vor dem offiziellen Start um 11 Uhr etliche Wanderer um das alte Rathaus in Schriesheim, stimmen sich dieses Mal nur wenige bei einem ersten Glas am Stand des Verkehrsvereins auf die Wanderung ein. Da scheint es wie ein Wink des Himmels, als der Regen mit dem letzten Glockenschlag der Turmuhr an der katholischen Kirche urplötzlich aufhört, die Jagdhornbläser ihre Instrumente ansetzen und zum fröhlichen Wandern rufen.

Begrüßung am Alten Rathaus

„Das ist doch ein sehr gutes Omen“, begrüßt Joachim Müller, der stellvertretende Verkehrsvereinsvorsitzende, die Gäste. Er wünscht allen eine schöne Wanderung, vorbei an den Rebanlagen, wo die Besucher an acht Ständen von örtlichen Winzern und Gastronomen erwartet werden. Müller begrüßt auch die Weinhoheiten sowie einige Gemeinderäte und richtet einen besonderen Gruß an den „Urvater und Erfinder“ der Rotweinwanderung, Karl-Heinz Schulz.

Weinkönigin Annalena Spieß, die mit ihrer Weinprinzessin Nadja Grittmann das Event eröffnet, tröstet die Besucher im Hinblick auf das schlechte Wetter: „Der Rotwein wärmt von innen.“ In Vertretung von Bürgermeister Hansjörg Höfer begrüßt dessen Stellvertreter Michael Mittelstädt die Wanderer, dankt den Veranstaltern, Wirten und Winzern – und entschuldigt sich sogleich, dass er eigentlich von Rotwein keine Ahnung habe: „Ich bin ein Weißweintrinker.“ An der Rotweinwanderung habe er noch gar nicht teilgenommen, jedoch an den Weinwanderungen im Herbst. „Meistens sind wir Anfang Februar im Skiurlaub“, erklärte er und verspricht, an diesem Sonntag an zwei Ständen vorbeizuschauen, bei der Winzergenossenschaft und beim Winzer Jäck.

Als einen Fan der Rotweinwanderung kann man Stadtrat Sebastian Cuny bezeichnen. „Einmal macht es Spaß, und zum anderen kann man mit Freunden gemütlich durch die Weinberge gehen und dabei einen guten Tropfen Wein genießen“, sagt er. Sehr gut in Erinnerung sei ihm eine Rotweinwanderung, bei der es eiskalt war: „Der Wein hat im Glas so richtig gedampft, hatte aber dennoch die richtige Temperatur.“

Mittlerweile finden sich am Stand des Verkehrsvereins weitere Wanderer ein, die sich mit einem Rotwein – oder auch Glühwein – stärken und die ausgelegten Flyer studieren. „Warum ich heute an der Rotweinwanderung teilnehme, ist der Brexit“, scherzt Matthew Graham: „Den werde ich mit Rotwein kräftig begießen.“ Der aus Norwich stammende und seit mehreren Jahren in Deutschland lebende und arbeitende Engländer freut sich – im Gegensatz seiner deutschen Freundin – über den EU-Austritt der Briten. „Ich kann das alles nicht verstehen“, schüttelt dagegen die Freundin resigniert den Kopf und spült ihren Ärger mit einem Secco herunter.

Aus Bad Vilbel angereist

Extra zur Rotweinwanderung aus dem hessischen Bad Vilbel angereist ist das Ehepaar Lubnow mit Hündin „Happy“. „Wir sind schon das zweite Mal dabei“, berichten sie. Von der Veranstaltung erfahren haben sie einst in Freinsheim. „Hier ist es viel gemütlicher und nicht so sehr überlaufen wie bei den Weinwanderungen in der Pfalz“, betonen sie.

In kleinen Gruppen machen sich die Wanderer und Weingenießer gut gelaunt und beschirmt auf die Suche nach den kulinarischen Genüssen in flüssiger und in fester Form. Chili con Carne oder Hähnchencurry tischt das Restaurant „La Perseria“ auf, und den dazu passenden Wein serviert beim nächsten Halt das Weingut Rosenhof. Doch viele wollen sich erst vor dem steilen Aufstieg stärken. „Wir haben schon mal Halt bei Station acht eingelgt“, gestehen einige und schwärmen von der Wildschweinbratwurst. Bratwurst von Ziege, Lamm oder Schwein serviert „Worschte Miller“ und dazu passend Wein vom Weingut Jäck. Mühlenhof und Forschners Schützenhaus kredenzen Leichtes und Bekömmliches Hand in Hand. Das Weingut Wehweck reicht zu seinen Rotweinen Wurstspezialitäten in Brötchen, es gibt aber auch Kaffee und Kuchen.

Sich wieder langsam auf den Rückweg machend, legen die Wanderer eine kleine Pause bei der Winzergenossenschaft und dem Caterer „Foodliner Bernd Müller“ ein. Hier wartet Eierlikör, veredelt mit einem Rotwein. „Das schmeckt ja umwerfend“, schwärmt eine Genießerin.

Vorletzter Halt ist beim Weingut Bielig. Dort versorgt Forschners Event Service die Gäste mit Wildbratwurst. Heißhunger auf Süßes stillt leckere Linzertorte. Gut gelaunt – und trocken – steuern die Wanderer die letzte Station in der Heidelberger Straße an, bei der ehemaligen Forschner Metzgerei, wo einige der Wanderer gleich zu Beginn eine Pause eingelegt hatten.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/schriesheim