Schriesheim

Schriesheim Kulturherbst der Grünen mit dem Kabarettisten Werner Koczwara / „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“

Realsatire aus den Gesetzbüchern

Archivartikel

Grandiose Unterhaltung mit intelligentem Witz, pointendicht mit schwarzem Humor: So gestaltete sich am Samstagabend der „Kulturherbst der Grünen“ im Zehntkeller mit dem Kabarettisten Werner Koczwara. Der Mann ist kein Pfälzer Schnellbabbler, sondern ein schwäbischer Kabarettist der klassischen Art. Mit Sinn für Perfektionismus. „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ war Programmtitel. Rund 120 Gäste waren der Einladung gefolgt.

Kann man über ein scheinbar trockenes Thema wie die Juristerei ideenreiches und witziges Kabarett machen? Koczwara kann. Er schnappt sich den Hauptordner „Schönfelder und Deutsche Gesetze“ – und jongliert durch die Juristensprache. Das reicht. Das ist pure Realsatire. Nach wenigen Minuten fragt sich das Publikum: Hat der Gesetzgeber noch alle Paragrafen im Schrank? Die Auswahl mit Unterhaltungswert scheint kein Ende zu finden.

Kuriose Urteile

Nach dem Strafgesetzbuch sind Verbrechen zum Beispiel nicht verboten, haben aber ihren eigenen Preis. „Für wie viel Gefängnis bekomme ich welche Straftat?“ spöttelt der 62-jährige Künstler über ein „Suppenurteil“ des Bundesgerichtshofes: Frau vergiftet Mann mit Suppe – Schmeckt die gut, ist es Mord. Schmeckt sie schlecht, kommt die Frau mit Totschlag davon. Das liege daran, dass bei gut schmeckender Suppe das Mordmerkmal „Heimtücke“ dazu kommt.

„Aha“-Erkenntnisse prägen besonders das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Stirbt ein Beamter während einer Dienstreise, so ist diese beendet. Besteht ein Personalrat nur aus einer Person, so erübrigt sich die Trennung nach Geschlechtern. Besonders erhellend: Erbe kann nur werden, wer lebt. Völlig absurd scheint der Paragraf „Herrenloswerden eines Bienenschwarmes“ und das daraus resultierende Verfolgungsrecht durch den Eigentümer auf fremden Grundstücken.

Liest man all diese Passagen „einfach nur ab, ergibt sich eine gewaltige künstlerische Gestaltungshöhe“, versichert Koczwara und zitiert lustvoll ein Urteil eines Sozialgerichts: „Ein Arbeitsunfall liegt dann vor, wenn ein Angestellter sich auf dem Weg zur Arbeit befindet und sich das Knie in der eigenen Haustür einklemmt. Zwar beginnt der Weg zur Arbeit nicht innerhalb seines Hauses, aber das Knie befand sich zum Zeitpunkt des Einklemmens außerhalb und somit war es bereits auf dem Weg zur Arbeit.“

Die Avantgarde der deutschen Gerichtsurteile scheint jetzt im Zehntkeller versammelt. Kuriose Urteile aus dem Reiserecht runden dann zwei Stunden heiteres Staunen ab: Da klagen Urlauber wegen „mangelnder Lebensgefahr im Abenteuerurlaub“ oder „zu wenig Wassertiefe bei Ebbe“. „Alles wahr!“, versichert Koczwara noch. Wegen mangelhafter Pointenqualität wäre dieser Mann jedenfalls nicht zu verklagen. Keine Chance.