Schriesheim

Neckar-Bergstraße Umfrage unter sozialdemokratischen Ortsvereinsvorsitzenden und Mandatsträgern in den Gemeinden

Rennen um den SPD-Vorsitz: Region ohne Favoriten-Duo

Archivartikel

Wer tritt an die Spitze der Bundes-SPD? Die Frage bewegt auch die Mitglieder der Traditionspartei in den Ortsvereinen der Rhein–Neckar-Gemeinden. Klare Favoriten unter den sechs Kandidaten-Paaren sind dabei nicht zu erkennen. Dies ergibt eine Umfrage des „MM“ unter den Vorsitzenden der Ortsvereine und anderen Mandatsträgern in der Region.

„Ich präferiere das Duo Pistorius-Köpping“, sagt Michael Bangert, seit 13 Jahren Vorsitzender der SPD in Edingen-Neckarhausen und bereits im 30. Jahr Mitglied der Partei: „Und zwar aus einem einfachen Grund: Die kommen aus der Kommunalpolitik, und Leute mit solch einer Erfahrung brauchen wir gerade heute“, erläutert er seine Entscheidung.

Bangert für Pistorius/Köpping

„Als Kommunalpolitiker werde ich täglich mit der Finanzausstattung der Kommunen konfrontiert“, argumentiert Bangert: „Da sehe ich, dass Bund und Land die schwarze Null feiern und wir hier, die Kommunen, ums finanzielle Überleben kämpfen.“ Die Frage, wie die Kandidaten zur Großen Koalition stehen, hat für ihn keine entscheidende Rolle gespielt: „Das ist eine Frage des nächsten Jahres oder in zwei Jahren.“

Simon Schubert hat sich für Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken entschieden. „Die kamen für mich am sympathischsten rüber“, begründet der Chef der Ilvesheimer SPD, der dort seit kurzem übrigens mit Pinar Karacinar-Gehweiler ebenfalls eine Doppelspitze bildet. „Das ist eigentlich eine gute Lösung für die Parteiführung“, meint Schubert, seit zehn Jahren in der SPD.

Sebastian Cuny, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Schriesheimer Gemeinderat und zuvor lange Ortsvereins-Chef, hat Michael Roth und Christina Kampmann gewählt. „Da haben wir endlich mal wieder einen richtigen Rot(h)en an der Spitze“, lautet das Wortspiel des Zweitkandidaten der zurückliegenden Landtagswahl. Doch dann fährt er wieder im Ernst fort: „Ich habe mir die programmatischen Ausführungen der verschiedenen Kandidaten-Duos angeschaut. Und diese beiden haben mir am besten zugesagt.“

Einige der befragten Ortsvereinsvorsitzenden wollten jedoch keine Auskunft über ihre Präferenz geben. „Meine Entscheidung möchte ich für mich behalten“, erklärt der neue Heddesheimer Vorsitzende Michael Rei. „Egal, wer gewählt wird“, begründet er: „Nach der Wahl wird es darauf ankommen, dass alle an einem Strang ziehen und der neue Vorstand die Unterstützung möglichst vieler bekommt. Und da sind öffentliche Festlegungen auf eine Person im Vorfeld wenig hilfreich.“

Informiert hat sich Rei im Livestream der Partei-Website: „Man hat dort alles schön verfolgen können. Das war gut gemacht.“ Hat für ihn die Haltung der Kandidaten zur Großen Koalition eine Rolle gespielt? „Das lässt sich ja von der Person nur schwer trennen“, bekennt er.

Kleinböck: „Wahlgeheimnis“

Keine Auskunft gibt auch der Ladenburger Ortsvereinsvorsitzende Gerhard Kleinböck. „Wir haben in unserem Land die schöne Einrichtung des Wahlgeheimnisses“, sagt Kleinböck, der auch Landtagsabgeordneter der Region ist, schmunzelnd: „Ich bin aber überzeugt, dass es zwei deutliche Voten gibt, die dann zu einer sinnvollen Stichwahl mit am Ende eindeutigem Ergebnis führen.“

Freimütig äußert sich dagegen Ladenburgs Bürgermeister Stefan Schmutz, der einzige „rote“ Rathauschef im Verbreitungsgebiet dieser Ausgabe des „MM“. „Ich präferiere das Duo Pistorius-Köpping“, sagt Schmutz, der bereits seit 23 Jahren Mitglied seiner Partei ist: „Die beiden bringen kommunalpolitische Expertise mit. Und wenn es etwas gibt, mit dem die SPD derzeit wirklich wuchern kann, dann ist es ihre Verantwortung in und ihr Engagement für die Kommunen.“