Schriesheim

Schriesheim Otto Rang, früherer Professor an der Mannheimer Fachhochschule für Technik, feiert heute seinen 100. Geburtstag

Renommierter Wissenschaftler und Hobbydichter

Als im Oktober 2015 in Weinheim das regionale „Filmfestival der Generationen“ eröffnet und für das Rahmenprogramm eine Nummer gesucht wird, die zeigt, wie fit Senioren bis ins hohe Alter sein können, da kommt man an ihm nicht vorbei: Otto Rang, damals bereits 97, trägt von ihm selbst verfasste Gedichte vor und erhält tosenden Beifall.

Geistig fit ist der frühere Professor der Mannheimer Fachhochschule für Technik trotz seines gesegneten Alters noch immer: An seinem Altersruhesitz in Schriesheim feiert er heute seinen 100. Geburtstag.

Das ist ja nicht selbstverständlich, hält das zurückliegende Jahrhundert für Männer seine Generation doch ausreichend Gefahren bereit. Das zeigt schon seine Geburt, die kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, am 13. Januar 1918, in Aussig im Sudetenland erfolgt. Den Zweiten Weltkrieg schließlich erlebt der junge Mann drei Jahre lang als Soldat.

Erst eine Verwundung führt dazu, dass er seine im Studium in Prag erfolgte Ausbildung zum Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik umsetzen kann. In einem Forschungsinstitut in Schlesien arbeitet er auf dem Gebiet der Elektronenmikroskopie.

Nach der Vertreibung aus dem Sudetenland im Juni 1945 siedelt sich Rang im Westen an und ist an einem Institut im badischen Mosbach tätig. 1953 wechselt er nach Mannheim an die damalige Ingenieurschule, spätere Fachhochschule für Technik, als Dozent, bald mit dem Titel eines Professors. Parallel dazu ist er auf dem Gebiet der Elektronenmikroskopie weiterhin wissenschaftlich tätig, was ihm den Titel Dr.-Ing. sowie Honorarprofessuren an den Universitäten Darmstadt und Mannheim einbringt.

1980 geht Rang offiziell in den Ruhestand, setzt seine Vorlesungstätigkeit jedoch ebenso fort wie seine Mitarbeit in einem Ausschuss des Deutschen Instituts für Normung (DIN) sowie dessen österreichischen Partnerinstitut in Wien. Zugleich wirkt er als Verfasser von fünf wissenschaftlichen Werken und als Ko-Autor mehrerer Schulbücher des Faches Physik. Zudem verfasst er unter dem Pseudonym Otto Wilhelm zwei Bände mit humorvollen Gedichten.

Der Ehe mit seiner Frau, mit der er bis zu deren Tode 67 Jahre lang verheiratet ist, entstammen drei Kinder, die ihm bis jetzt zehn Enkel und fünf Urenkel bescheren.

Doch weitere Urenkel kündigen sich an – oder wie es der Jubilar ausdrücken würde: „Als zeitabhängige Variable ist ihre Anzahl zur Zeit am Wachsen hin zur Anzahl sieben.“ Welch schöneres Geschenk rund um einen „Hundertsten“ kann es geben.