Schriesheim

Richtige Entscheidung

Die Absage des Festzuges ist der sprichwörtliche Schlag ins Kontor – für die Verantwortlichen des Schriesheimer Mathaisemarktes, die diesen Entschluss verantworten müssen; für die Ehrenamtlichen, die seit Wochen für ihren Motivwagen oder ihre kostümierte Fußgruppe rackern; für Tausende von Besuchern aus der gesamten Region, die sich auf dieses Ereignis freuen. Dennoch: Der Entschluss ist richtig. Denn Sicherheit hat absoluten Vorrang.

Eine Sturmwarnung für Windgeschwindigkeiten bis 120 Kilometer pro Stunde darf niemand ignorieren, der Verantwortung trägt für einen Umzug mit erfahrungsgemäß 25 000 Zuschauern. Nicht auszudenken, wenn Teile der hobbymäßig zusammengezimmerten Aufbauten der Motivwagen wie Geschosse durch die engen Zuschauerreihen hauen.

Wäre etwas passiert, dann wäre gefragt worden, wie man dies habe ignorieren können – und das zu Recht. Die Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit bei „nur“ 50 Prozent lag, ist kein Argument. Mit ihm könnte man die ganze Feuerwehr abschaffen.

Themen nicht vermengen

Dass der Sturm gestern Nachmittag am Ende nicht ganz so stark gewütet hat wie befürchtet, das macht es den Verantwortlichen noch schwerer, mit ihrer Entscheidung zu bestehen. Zumal sie in eine Gemengelage fällt, in der das Verhältnis zwischen Vereinen und Stadt ohnehin schwer belastet ist. So wird die Absage des Festzuges als Höhepunkt einer ganzen Reihe von Sicherheitsvorgaben für Vereinsaktivitäten gestellt, die vielen Betroffenen als überflüssig, ja schikanös gelten. Doch solche Verquickung geht an der Sache vollkommen vorbei.

Dass einige Vereine trotz Absage gestern durch die Stadt gelaufen sind, das ist ein Affront gegenüber dem Bürgermeister. Und es ist nicht besonders solidarisch gegenüber jenen Vereinen, die sich an die Absage halten.

Und: Bei aller Enttäuschung sollte man die Kirche im Dorf lassen. Besser eine Absage, als dass auch nur ein einziger Mensch zu Schaden kommt. Und im Gegensatz zu abgesagten Fasnachtszügen haben die Schriesheimer ja sogar Ersatz: nächsten Sonntag.