Schriesheim

Schriesheim Anliegerin beklagt sich über rabiates Vorgehen im Gewann Mergel / Kritik an Informationspolitik der Stadtverwaltung

Rodung verärgert Naturschützer

„Seit das so ist, will ich da gar nicht mehr hin.“ Heike Sartor zeigt auf eine gerodete Fläche am Blütenweg im Gewann Mergel, einem Vogelschutzgebiet. Sie verweist darauf, dass die Stadt Schriesheim hier Robinien und Brombeergestrüpp entfernen und eine Wiese für Bienen und andere Insekten anlegen will. „Ich kritisiere nicht das Projekt an sich, aber die Art der Durchführung und dass Bäume abgeholzt werden, die Vögeln und Eichhörnchen als Nistplätze dienen“, sagt die Schriesheimerin. Sie zeigt auf den benachbarten Weg, wo die Spuren von größeren Fahrzeugen zu erkennen sind: „Da waren Feuersalamander, die hier ihre Brutstätten hatten. Alles zusammengedrückt.“

Zudem habe die Stadt Heike Sartor, die ein Grundstück neben der gerodeten Fläche besitzt, nicht über das Vorhaben informiert: „Ich hatte keinen Zugang zu meinem Garten.“ Geärgert hat sich die Technische Assistentin an der Universität Heidelberg auch über die Zerstörung des Barfußpfads, den sie vor drei Jahren zum Blütenfest angelegt hatte. Die Hälfte des Blütenwegs in diesem Bereich gehört ihr, die andere der Stadt.

Banner und Holzkreuze

Heike Sartor ist keine Frau, die sich mit vollendeten Tatsachen einfach abfindet. Sie hat an ihrem Garten ein großes Protestbanner aufgehängt und kleine Holzkreuze aufgestellt, um auf die Zerstörung aufmerksam zu machen. Um den Tieren neue Brutstätten zu bieten, hat sie Nistgehölze gekauft und auf ihrem Grundstück gepflanzt sowie Samen von heimischen Blumen und Gräsern ausgestreut.

Heike Sartor hält es für keine gute Idee, dass künftig Ziegen den gerodeten Bereich von neuem Bewuchs freihalten sollen, so dass sich eine Wiese entwickeln kann. Sie befürchtet nämlich, dass Bäume durch die Beweidung Schäden erleiden, da Ziegen Rinde brauchen. Ohnehin sieht sie keine gute Zukunft für das gerodete Areal: „Ich hoffe, dass sich der Bereich wieder erholt. Ansonsten wird alles weggeschwemmt, wenn wir wieder so einen heißen Sommer mit Unwettern kriegen.“

Wolfgang Fischer von der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Schriesheim-Dossenheim findet es im Prinzip gut, dass die Stadt bemüht ist, etwas in Sachen Naturschutz zu tun. „Aber der Eingriff sollte nicht so radikal sein, dass die Zugvögel ihre Reviere nicht mehr finden, wenn sie wiederkommen.“ Und wenn Lebensräume von Salamandern bekannt seien, sollte man mit schweren Fahrzeugen wegbleiben.

Zu der Rodungsaktion bedarf es der Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde, die beim Kreis angesiedelt ist. Pressesprecherin Silke Hartmann beantwortete nach Rücksprache mit Jörg Bayer, dem Leiter der Naturschutzbehörde, die telefonische Anfrage des „MM“: „Es gab nur eine Abstimmung. Wir haben nichts genehmigt und nichts erlaubt.“ Es sei eine Maßnahme der Stadt. Für ein Beweidungsprojekt sollte ein Korridor zwischen zwei Flächen geschaffen werden. „Von Abholzung war keine Rede.“

Grünen-Gemeinderat Christian Wolf befasst sich ebenfalls mit den Vorgängen im Gewann Mergel. Er stand in direktem Kontakt mit Jörg Bayer und zitiert aus einem Schreiben des Leiters der Naturschutzbehörde: „Nach derzeitiger Einschätzung gehen die Maßnahmen über das hinaus, was mit uns abgestimmt war. Eine endgültige Bewertung ist aber erst nach abschließender fachlicher Überprüfung möglich.“

Das Fazit von Heike Sartor: „Die Bürgerbeteiligung in Schriesheim ist null.“ Wolfgang Fischer sieht das ähnlich: „Es geht darum, dass solche Dinge besser abgesprochen werden.“ Von der Stadtverwaltung war keine Stellungnahme zu bekommen. Der zuständige Sachbearbeiter weigerte sich, Auskünfte am Telefon zu geben. Bauamtsleiter Markus Schäfer wollte bei dem Gespräch im Rathaus dabei sein. Mehrere Termine kamen nicht zustande. Und dann meldete sich Schäfer in den Urlaub ab und vertröstete auf die Zeit nach dem 25. März.