Schriesheim

Schriesheim Rebläuse-Theatergruppe präsentiert Komödie „Außer Kontrolle“ und begeistert mit unerwarteten Überraschungen das Publikum

Schauspieler drehen nach Panne auf

Die Rebläuse spielen „Außer Kontrolle“, ein Schwank, oder besser gesagt, eine Farce von Ray Cooney. Seit drei Jahren sind sie schon im Talhof zu Gast und traditionell sind die Bewohner der Einrichtung zur Generalprobe eingeladen: „Da hat noch alles funktioniert“, wie der Techniker und Beleuchter der Rebläuse-Theatergruppe nach der Premiere berichtete, „es hat bisher immer funktioniert.“ Jürgen Sermond am Beleuchtungspult hat bange Minuten mitgemacht, die Zuschauer erlebten eine Improvisationseinlage, die zu den Höhepunkten des Abends zählte, und die Schauspieler zeigten dabei ihr wahres Können.

Darsteller müssen improvisieren

Nein, es ging nicht um die Queen und ihr Porträt, das schief an der Wand hing und es ging auch nicht um das kaputte Fenster, in dem die Leiche hing. Hauptakteur der Improvisationseinlage war viel mehr die Schranktür, die plötzlich und unbeabsichtigt aus dem Rahmen fiel. Just in dem Moment, als die Leiche dorthin gebracht werden sollte. Mit der Leiche im Arm noch die Tür festhalten, dabei noch so zu tun, als wäre nichts passiert, und dann auch noch einen Text zu erfinden, um die Zeit zu überbrücken, bis die Leiche im Schrank und die Tür unter vollem körperlichem Einsatz repariert ist: Da wurde die Komödie unfreiwillig zum besten Improvisationstheater.

Gina Rocco in ihrer Rolle als Jane Worthington, Ferd Abbate in seiner Rolle als Richard Willey und Sebastian Ortmann als George Pigden leisteten ganze Arbeit und überzeugten sehr zur Freude des Publikums: Die Tür war repariert, das Stück nicht unterbrochen und dem Publikum wurde eine Gratis-Improvisationseinlage serviert, die es mit viel Lachen und Applaus quittierte.

Die unfreiwillige Panne hat dem Stück gutgetan. Es fing etwas langsam und mutlos an, etwas mehr Tempo hätte man sich beim Anblick einer Leiche im Hotelfenster schon gewünscht. Gerade dann, wenn sich der Staatssekretär des Innenministers ein Schäferstündchen mit der charmanten Sekretärin des Oppositionsführers gönnt, statt im Parlament zu sitzen.

Jeder Politiker hat eine Leiche im Keller — Willey hat nun noch eine weitere auf der Fensterbank, während der Champagner warm wird und das Chaos seinen Lauf nimmt: Mit abenteuerlichen Lügen und neuen Identitäten schlüpften die Charaktere immer wieder in neue Rollen. Die Beziehungen und Verwicklungen wurden immer komplizierter, Suite 648 im Westminster-Hotel immer verrückter, geriet wörtlich außer Kontrolle. Am Ende wusste keiner der Charaktere mehr wieso, weshalb und wer mit wem, der Abgrund rückte näher, und dann gab es doch noch das ersehnte Happy-End.

Turbulent und schnell sollte die Komödie sein. Die Improvisationseinlage hat für das Selbstvertrauen und die nötige Kraft gesorgt, so richtig aufzudrehen: Die Lambada-Tanzeinlage mit der Leiche wurde nicht nur herrlich gespielt, sie war auch genial von Wolfgang Mettenberger inszeniert: mit viel Witz, Humor, Brillanz und Schnelligkeit.

Es war ein genial lustiger Abend, auch dank der Leiche, die Ingo Kaiser verkörperte und am Ende für einige unerwartete Überraschungen sorgte. So wie auch die Handlung der Komödie und das Ensemble.