Schriesheim

Schriesheim Exkursion des Heinrich-Sigmund-Gymnasiums und des BUND / 90 Teilnehmer an drei Abenden / Tiere sind jetzt flügge

Schüler fliegen auf Fledermäuse

Archivartikel

Die Zwergfledermaus trägt ihren Namen zu Recht: Sie ist gerade mal so groß wie ein Daumennagel; kugelrund und flauschig krümmt sie sich um den Finger des Menschen, der sie festhält. Als Brigitte Heinz das Foto herumzeigt, brechen Kinder und Erwachsene in entzückte Aaah- und Ohh-Rufe aus. Die Heidelberger BUND-Geschäftsführerin kennt solche Reaktionen und kann sie verstehen: Neben ihrem Hauptberuf ist sie ehrenamtlich seit vielen Jahren im Fledermaus-Schutz tätig. „Seit Ende April“, sagt sie, „bin ich eigentlich jede Nacht draußen.“ Heute ist sie mit den Fünft- und Sechstklässlern des Heinrich-Sigmund-Gymnasiums unterwegs – seit einigen Jahren bieten sie und Bio-Lehrer Oliver Prahl die Touren auf Schriesheimer Gemarkung schon an. Dieses Mal, sagt der Pädagoge stolz, sei das Interesse so groß gewesen, dass sogar drei Termine angesetzt werden mussten.“

Interesse haben nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern und Großeltern. Die Biologin beginnt mit einer kleinen Einführung: Etwa 25 Fledermausarten gebe es in Deutschland. Während die Hufeisennasen schon seit 60 Jahren nicht mehr nachweisbar seien, kämen derzeit wieder neue Arten über die Alpen: „Mit steigender Tendenz, wegen der Klima-Erwärmung.“ Neben der Zwergfledermaus findet man vor Ort auch Große Mausohren oder Abendsegler. Ein langgliedriges Skelett, Flughäute und ein geringes Gewicht machen die Tiere zu den reinsten Luftakrobaten, die bis zu 40 Stundenkilometer schnell werden. Die Tiere sehen und hören gut, doch hauptsächlich orientieren sie sich aber mit der Echo-Ortung. „Sie machen sich ein Hörbild von der Umgebung, so finden sie Insekten und erkennen Hindernisse“, erklärt Heinz: „Und sie haben ein gutes Ortsgedächtnis.“

Damit die Rufe auch für Menschen hörbar werden, hat sie drei Ultraschall-Detektoren mitgebracht; sie sind auf einen Frequenzbereich von 45 Kilohertz eingestellt, so dass man auch das Stimmchen der Zwergfledermaus hören kann. In der hereinbrechenden Dämmerung schlägt die Gruppe jetzt den Weg oberhalb der Strahlenburg ein und sucht dann eine Stelle im Wald auf, die bei den Tieren sehr beliebt ist.

Quartiere zum Schutz geheim

„Da sind welche“, ruft ein Junge, und tatsächlich huschen nun über den Köpfen der Menschen kleine Silhouetten über den Himmel, und aus dem Detektor kommt ein Knattern und Klopfen. Eichen, sagt Heinz, seien beliebte Jagdreviere, denn dort würden die Tiere immer Insekten finden: „Wenn eines näherkommt, hört man so etwas wie ein Schmatzen.“ Der Ton wird häufiger, überlagert sich, immer mehr Tiere kommen jetzt. In der Strahlenburg, in Kirchtürmen, aber auch in alten Bäumen und Felsklüften finden sie Unterschlupf. Zu Beginn des Frühjahrs tun sich die Weibchen zu großen Brutkolonien zusammen, in denen sie ihre Jungen aufziehen. Die größte Gruppe mit etwa 600 Mausohren finde sich in der evangelischen Kirche von Altneudorf, sagt die Fachfrau: „Das dürfen wir sagen, ansonsten halten wir die Orte lieber geheim, um die Tiere zu schützen.“ Doch nun sind die Kleinen flügge und unternehmen selbst ihre ersten Streifzüge.

Was die Diskussion um Gefahren durch Windräder angeht, hält sie sich lieber bedeckt: „Das muss gründlich untersucht werden.“ Autos und Straßen, sagt Heinz, seien dagegen eine große und auch seit langem bekannte Gefahr für Fledermäuse. Die haben die Fledermäuse an diesem Abend jedoch nicht zu fürchten; sie folgen ihren vertrauten Routen und genießen den reich gedeckten Tisch.