Schriesheim

Schriesheim Erfahrungen mit Anti-Mobbing-Programm „Olweus“ am Heinrich-Sigmund-Gymnasium

Schule als angstfreier Raum

Das private Heinrich-Sigmund-Gymnasium (HSG) Schriesheim ist deutschlandweit die einzige weiterführende Schule, die am Olweus-Programm teilnimmt und im Rahmen ihres 125. Jubiläums im April 2019 dafür offiziell zertifiziert wurde. Mathematiklehrer Daniel Hentschel und Theaterpädagogin Katerina Gein stellten erste Erfahrungen nun im Gespräch mit dem „MM“ vor.

Entwickelt wurde das Konzept gegen Mobbing und zur Erforschung von Gewalt an Schulen von Dan Olweus, Professor für Psychologie an der Universität Bergen in Norwegen. „Die Folgen von Mobbing sind so gravierend, dass sie bis ins Erwachsenenalter reichen“, beschreibt Hentschel im Hinblick auf die früher auch an Schulen praktizierte „Prügelstrafe“.

„Das Programm fährt weder eine autoritäre Schiene noch ist es eine Kuschelpädagogik“, erläutert Hentschel, der dafür als Coach tätig ist. Er sprach von „autoritativem Erziehungsstil“, der auf Prävention und Hilfestellung zu einem ausgeglichenen sozialen Verhalten setzt. Das Programm nimmt in erster Linie die Erwachsenen, also Lehrer wie Eltern, in die Verantwortung, auf ihre Kinder liebevoll zuzugehen, ihnen jedoch gleichzeitig ein hohes Maß an Autorität zu vermitteln.

Eltern eingebunden

„Wichtig ist, dass die Schule ein angstfreier Raum ist, Schüler also keine Angst vor ihren Lehrern haben“, so Hentschel. „Kein Kind sollte gedemütigt und ausgeschimpft werden“, nannte er eine Maßgabe.

Das bedeute aber keineswegs, alles durchgehen zu lassen, denn es werden auch Sanktionen verhängt. Hentschel berichtete, dass in den Klassenräumen sogenannte Sanktionsleitern hängen, die etwa für einen absoluten Schulverweigerer den Ausschluss vorsehen. „Doch soweit soll es natürlich nicht kommen.“ Daher seien die Eltern ins Konzept stark mit eingebunden, informierte die Theaterpädagogin Katerina Gein.

Gein berichtete, dass es – seit sich die Schule zum Olweus-Konzept bekannt hat – nur positive Rückmeldungen gegeben habe. „Wir machen regelmäßig eine anonyme Online-Umfrage“, berichtet sie: „Daraus ist deutlich zu ersehen, dass sich das soziale Verhalten wie auch der Umgang mit den Erwachsenen deutlich verbessert haben.“ Außerdem haben die Schüler angegeben, dass sie jetzt gerne zur Schule gehen, keine Angst vor Gewalt haben und auch dafür sensibilisiert seien, wenn es einem Mitschüler schlecht gehe.

Anlass, sich an diesem Projekt zu beteiligen, war 2015 eine Anfrage der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Heidelberg. Nachdem sich das gesamte Kollegium dafür ausgesprochen hatte und auch die Eltern bereit waren mitzumachen, ließ sich Daniel Hentschel zum Olweus-Coach ausbilden und nahm in regelmäßigen Abständen auch an den Fort- und Weiterbildungen teil.

Eine besondere Ehre war für ihn die Teilnahme als Redner in Chicago und Dublin. „Dafür schulde ich der Schulleitung Dank“. Beide Pädagogen wünschen sich, dass sich noch andere an diesem Konzept beteiligen, wie beispielsweise Vereine und Unternehmen. Und kein kündigt an: „Wie werden auch in diesem Jahr einen Olweus-Tag veranstalten.“