Schriesheim

Schriesheim Diskussion macht die prinzipiellen Unterschiede zwischen Kritikern und Befürwortern des Projektes deutlich

Schulstadt als exklusives Hobby?

„Ich muss an mich halten“, bekennt Patrick Schmidt-Kühnle, als er die Diskussionsrunde beginnt. Die Darstellung der Situation im Gymnasium durch Grünen-Fraktionschef Christian Wolf kann er nicht nachvollziehen und macht eine andere Rechnung auf: „Sie hätten in Ihrer Präsentation auch andere Orte zeigen können, die nicht gut aussehen“, kritisiert er: „Es gibt Zimmer, in denen stehen Eimer, weil es reinregnet“, berichtet er. Und dann das Dauerärgernis Heizung: „Im Winter ist sie kalt, im Frühjahr heiß.“

Auch Christiane Haase erwähnt die Heizung: „Sie lief auch im Sommer bei 40 Grad – aus Angst, dass sie nicht wieder angeht“, berichtet die Elternbeiratsvorsitzende: „Ich bin daher schon sehr überrascht von Ihrer Darstellung“ entgegnet sie Wolf. „In dem seit 2008 laufenden Schulbauprozess wurde doch immer wieder klar gemacht, dass Einzelmaßnahmen nicht möglich sind“, erinnert sie: „Wenn dem so wäre, hätte die Stadt das doch schon gemacht.“ Auch ein Neubau sei keine Lösung: „Der dauert fünf Jahre, und dann gibt es die Zuschüsse nicht mehr.“

Doch es melden sich auch Redner, die Wolf beispringen und ganz grundsätzlich an das Thema herangehen: „Grundschule ist Pflichtaufgabe, Realschule und Gymnasium nicht“, sagt Jürgen Hebling. Der oft öffentlich geäußerte „Stolz auf die Schulstadt Schriesheim“ sei ein „exklusives Hobby“. Auch das Argument vom Standortfaktor kann er nicht nachvollziehen: „Familien ziehen nicht wegen eines Gymnasiums in eine Stadt, sondern wenn sie hier günstigen Wohnraum finden.“ Die Kostenschätzung von 32 Millionen nennt er „Makulatur“: „Die Baufirmen sind derzeit so ausgelastet, dass sie die Preise bestimmen können.“

Landtagsabgeordneter Uli Sckerl unterstützt das Sanierungsprojekt: „Aber natürlich sollte man sehen, wo Abstriche möglich sind.“ Um den Bundeszuschuss nicht zu gefährden, rät er jedoch zu frühzeitiger Konsultation mit dem Regierungspräsidium. Und er schlägt eine Bürgerversammlung vor: „Ein solches Projekt benötigt vor Ort eine breite Basis.“

Von der Schließung des Gymnasiums hält der Abgeordnete gar nichts: „Das Signal in die Region wäre verheerend.“ Allerdings müsse sich diese Region auch einbringen: „Hirschberg, Dossenheim und Wilhelmsfeld machen sich da einen schlanken Fuß.“ Sckerl plädiert für eine Initiative, einen Schulverband zu gründen wie im Norden der Bergstraße.

Ratsschreiber Edwin Schmitt hält das für Illusion: „Schon der kleine Schulverbund zwischen Hirschberg und Heddesheim ist am Geld gescheitert.“ Und eine Verkleinerung des Gymnasiums könnte schnell ein Nullsummenspiel werden: „Ein Zug weniger bedeutet 100 000 Euro weniger Sachkostenbeiträge pro Jahr.“

Die Sanierung dagegen werde sich lohnen: „Wir investieren 200 000 Euro jährlich für Baumaßnahmen im Schulzentrum, zahlen aber alleine für das Gymnasium 100 000 Euro an Energiekosten im Jahr.“ -tin