Schriesheim

Seckenheim Auch ein halbes Jahr nach Fertigstellung des 300 000 Euro-Bauwerks ist seine Toilettenanlage nicht voll funktionsfähig

„Selbstversuch“ am Kiosk: WC immer noch mit Macken

Archivartikel

Auch ein halbes Jahr nach Fertigstellung des 300 000 Euro teuren Kiosks der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) auf den Planken ist die darin untergebrachte öffentliche Toilettenanlage nicht voll funktionsfähig: So kann der Benutzer etwa die automatische Tür von innen nicht immer verriegeln. „Wir sind mit allen Mitteln daran, die Fehler zu beheben“, versichert RNV-Pressesprecher René Weitz dem „MM“.

Was ist das Problem? Ein „Selbstversuch“ des „MM“ gestern Morgen um 9 Uhr: In den dafür vorgesehenen Schlitz an der Außenwand wird eine 50 Cent-Münze eingeworfen. Es öffnet sich die Tür. Man betritt den Toilettenraum und versucht nun, wie auf dem Hinweisschild angegeben, durch Drücken eines roten Knopfes die Tür zu verriegeln, damit von außen niemand den Raum unbefugt betreten kann.

Doch es tut sich nichts: Der rote Knopf blinkt ungestört weiter, die Tür lässt sich nicht verriegeln. „Schließen lässt sich die Tür, nur verriegeln nicht“, bestätigt der RNV-Pressesprecher gestern: „Bisher war keiner der Monteure in der Lage, diese Tür gangfähig zu machen.“

Trotzdem habe sich die RNV entschlossen, die Toilette auch in diesem Zustand geöffnet zu lassen: „Wir wollen den Leuten trotzdem eine Möglichkeit bieten, aufs Klo zu gehen“, so Weitz: „Notfalls dadurch, dass, wenn man zu zweit ist, einer an der Tür steht und sagt: ‘Entschuldigung, es ist gerade jemand drauf‘“.

Seit der Eröffnung defekt

Rückblick: Im April wurde der Kiosk, um dessen Aussehen im historischen Ortskern es bereits im Vorfeld heftigen Streit gab, eröffnet. Die Kritiker stimmten schließlich nur zu, weil das Gebäude neben einem Fahrkartenverkauf auch eine öffentliche Toilette enthält, die von allen als wichtig erachtet wurde. Doch bereits bei der Eröffnung war das WC defekt. Und auch seither funktioniert es nicht in vollem Umfang.

Das sorgte auch in der Politik für Ärger. „Wenn die RNV schon ein solch umstrittenes Projekt hier platziert, dann muss sie auch seine Grundfunktionalitäten garantieren“, kritisierte CDU-Fraktionschef Claudius Kranz. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass es der RNV viel wichtiger war, den umsatzstärksten Kiosk möglichst schnell in Betrieb zu nehmen und die Toilettenfrage wohl eher eine lästige Begleiterscheinung ist“, klagte im Sommer bereits auch SPD-Stadtrat Ralph Waibel.

Problem: Den Auftrag zum Bau des 300 000 Euro teuren Objektes vergab die RNV an einen Generalunternehmer, eine Holzbaufirma. Diese wiederum beauftragte mit der Metalltür der Toilette eine Metallbaufirma, mit der Technik zu deren Steuerung eine Elektronikfirma. Die notwendige Reparatur kann also auch nur von diesen Sub-Unternehmen vorgenommen werden.

Ansprechpartner der RNV aber ist nur der Generalunternehmer. „Von ihm fordern wir eine Übergabe ohne Funktionsfehler, aber dabei müssen wir uns an Fristen halten“, so Weitz. „Jetzt sind wir am Punkt, dass wir auch mit der Androhung rechtlicher Schritte und der Rückforderung von Kosten arbeiten. Wir haben mit dem Generalunternehmer die höchste Stufe der Eskalation erreicht.“ Am Samstag nun sind Metallbauer und Elektrofirma vor Ort. Dabei soll eine neue Software der Elektronik für die Tür aufgespielt werden.

Doch neben der Technik besteht laut RNV eine weitere Fehlerquelle: „Wir haben den Verdacht, dass die Problematik durch falsches Handling verstärkt wird.“ So nimmt die Toilette lediglich 50-Cent-Münzen; wenn dieser Betrag in zwei 20- und eine 10-Cent-Münze gestückelt wird, funktioniert die Technik nicht.

Weiteres Problem: Wenn jemand die Toilette betritt, dann aber wieder hinausgeht, erkennt die Anlage in einzelnen Fällen nicht, dass sich niemand mehr im Raum befindet. Die Technik „denkt“, der Nutzer habe ein Problem und löst daher nach einer halben Stunde Alarm aus. Diese komplexen Vorgänge hängen laut RNV damit zusammen, dass es sich um eine barrierefreie Toilette handelt: „Und auf Grund dessen gelten besondere Anforderungsprofile.“

Wann ist damit zu rechnen, dass die Toilette voll funktionsfähig ist? Weitz bekennt: „Eine gute Frage.“