Schriesheim

Schriesheim Dritte Auflage des kleinen Motorsport-Festivals „Ursenbach bebt“ / Bus fährt nur bis zur Haltestelle Ursenbacher Hof

Sogar ein Weltmeister ist da

Archivartikel

„Dieses Event ist der reinste Wahnsinn“, schwärmt ein Teilnehmer, der aus dem hohen Norden nach Ursenbach angereist ist; angezogen von donnernden Oldtimer-Motorrädern und Benzingeruch, hat es den einstigen Rennfahrer zum Motorradereignis „Ursenbach bebt“ in den Schriesheimer Ortsteil gezogen, auf den Spuren des einstigen Weltmeisters Helmut Fath, über den er sagt: „Wir jungen Schnösel haben alle zu ihm aufgeschaut“.

Sätze wie diesen fallen gestern Dutzendweise, verbunden mit Erinnerungen an alte Zeiten, an Rennen auf Maschinen, die alles andere als komfortabel waren, wie der Oldtimer-Fan zu Protokoll gibt: „Es ging ganz schön in die Halswirbel und in die Gelenke; mit meiner 70 PS-Maschine brachte ich es auf 220 Stundenkilometer“. Nun steht er an der Wirkungsstätte des großen Weltmeisters, eingeladen vom MSC Oberflockenbach, der zu den Veranstaltern des kleinen Festivals zählt. Es findet heuer zum dritten Mal statt; eingeladen sind Motorradfreaks, die auf der früheren Testrennstrecke des Weltmeisters ihren Maschinen die Sporen geben können.

Es scheint, als seien ausgerechnet zum 90. Geburtstag Faths weniger Schaulustige gekommen als sonst; am Wetter kann es nicht liegen, die Veranstaltung ist von Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen verwöhnt. Schuld könnte aber die äußerst schlechten Verbindung vom Tal in das Odenwalddorf sein.

Rennen auf Faths Übungsstrecke

Im Vorfeld wurden die Besucher gebeten, ihre Fahrzeuge im Tal stehen zu lassen und mit dem Bus nach Ursenbach zu fahren. Wer sich daran hält, steht allerdings verdutzt an der Haltestelle Ursenbacher Hof, wo man aus dem Bus befördert wird sich zu Fuß auf den Weg machen muss. Der Buswendeplatz ist nämlich von der Feuerwehr gesperrt, so dass es im Dorf keine Wendemöglichkeit mehr gibt.

Wer es doch nach oben schafft, kann den Anblick von genau 37 älteren und jüngeren Maschinen und Gespannen genießen. „Das ist schon das obere Limit“, kommentiert Moderator Bernd Quaas, ein guter Freund und Weggefährte Faths, der das Defilée moderiert. Teilnehmer kommen aus dem In- und Ausland, leider ist aber keine der noch fahrbereiten URS-Maschinen dabei, den von Fath entwickelten Motorrädern. Die Idee zu den Rennen kam ihm beim Durchblättern eines alten Gästebuchs bei Witwe Waltraud Fath. Der einstmals schärfste Konkurrent ihres Mannes, Florian Camathias, bezeichnete ihn in einem Brief als sein Idol. Gefahren wird nun auf der Übungsstrecke dieses Idols, vom Dorfgemeinschaftshaus durch den Ort bis zur Ursenbacher Höhe.

Am Rand der Strecke stehen die Zuschauer, die in den Rennpausen gerne mit den Besitzern der Veteranen ins Gespräch kommen. Am Start lassen die die Motoren ohrenbetäubend aufheulen, und schon rasen die Maschinen am Publikum vorbei und hüllen die Strecke in eine Qualmwolke. Mit einem rasanten, atemberaubenden Tempo fliegen sie über die Straße, die von Feuerwehr und Streckenposten abgesichert ist. Immer wieder beugen sich die Beifahrer so weit aus dem Beiwagen heraus, dass es den Anschein hat, sie könnten mit den Fingern den Asphalt berühren.

Einstige Weggefährten

Aus dem Saarland ist Günter Staub mit seiner BMW H69 Jahrgang 1959 nach Ursenbach gekommen; dabei hat er seinen „Schmiermaxl“ Barbara Theobald. „So nennt man Beifahrer“, erklärt er. Zu den Freunden Faths kann sich Hennig Stöter zählen, der mit einer BMW RS 54 angereist ist. Er ist das erste Mal bei „Ursenbach bebt“, lobt die Organisation, moniert aber die kurze Rennstrecke. Mit Rolf Steinhausen ist auch ein echter noch lebender Weltmeister gekommen, der sich 1975/76 den Weltmeistertitel holte. Fath sei ihm sehr gut in Erinnerung, bestätigt er und beschreibt einen nicht ganz einfachen Menschen, „einen Perfektionisten durch und durch“. Kollege Willi Faust prophezeite Fath einst: „Das wird nie was“. Wurde es aber letztlich doch. Und nun freut er sich, dass man dem Konstrukteur posthum eine derartige Ehre zuteil werden lasse.