Schriesheim

Projekte Beim aktuell wichtigsten Thema Schriesheims bringt das Jahr 2019 immer wieder Hoffnungen und Enttäuschungen

Sorgenkind Schulsanierung

Archivartikel

Das Jahr 2019 beginnt positiv für das Projekt: Am 3. April teilt Bürgermeister Hansjörg Höfer mit, dass die Aufstellung der Container als Ausweichquartier für die Schulsanierung im September erfolgen soll. Zum Ende des Jahres jedoch ist von den Containern weit und breit nichts zu sehen.

Überhaupt ist 2019 für dieses Top-Thema ein Jahr voller Hoffnungen und Enttäuschungen. In jenes Jahr geht die Stadt noch mit dem Grundsatzbeschluss über einen Kostenrahmen von 20,9 Millionen Euro. Am 16. September die Ernüchterung: Im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung des Technischen Ausschusses legen die Architekten ihre detaillierte Kostenberechnung vor. Die notwendigsten Arbeiten beziffern sie auf 23,2 Millionen Euro. Noch nicht enthalten ist die Sanierung der Bibliothek mit 400 000 Euro sowie der Musikschule für 325 000 Euro. Mit diesen wäre man schon bei weit mehr als 24 Millionen Euro.

Schmerzliche Kostenreduzierung

Daneben gibt es „Kostenpakete“ – also Maßnahmen, die ebenfalls wünschenswert und aus Sicht mancher sogar notwendig wären. Dazu gehört die Erweiterung der Aula (530 000 Euro). Die Gesamtsumme mit all diesen Kostenpaketen liegt bei rund 26,5 Millionen Euro, also 27 Prozent über dem Kostenrahmen.

Der Gemeinderat ist denn auch alarmiert. Am 25. September fasst er einen Grundsatzbeschluss: Die Kosten werden auf 21,5 Millionen Euro gedeckelt. Einschließlich der Sanierung von Musikschule und Stadtbibliothek, aber ohne Erweiterungsbau für die Aula. Die Mehrheit ist erneut eindeutig: Alle stimmen zu, mit Ausnahme der Grünen Liste.

Am gleichen Abend erfolgt die Auftragsvergabe an die Firma ERWE zur Lieferung der 139 Container, aufzustellen ab dem 27. November. Daraus wird aber nichts. Die Firma liefert nicht. Es kommt zu Vorkommnissen, die in ihrer Gesamtheit zwischen Wirtschaftskrimi und Provinzposse schwanken. Da er den Geschäftsführer nicht erreicht, begibt sich der Stadtbaumeister Markus Schäfer in die Firmenzentrale, wo er einen einzigen Mitarbeiter vorfindet. Die Stadt kündigt den Vertrag, die Firma wehrt sich, die Stadt nimmt die Kündigung zurück. Wie es weitergeht, sprich: wann die Container kommen, ist bei Redaktionsschluss dieser Seite völlig ungewiss.

Gewiss ist nur: Der Zeitplan wackelt. Problem: Die Arbeiten müssen bis Ende 2022 fertig sein; sonst verfällt der Bundeszuschuss (sechs Millionen). Und das Neubaugebiet, das auch sechs Millionen einbringen soll, ist noch gar nicht auf dem Weg, seine Verwirklichung sogar wieder in weite Ferne gerückt.

Trotzdem verbreiten Stadt, Politik und Schule Optimismus. Und legen sogar neue Projekte auf: die dem Streichkonzert zum Opfer gefallene Erweiterung der Aula. Stadträtinnen mehrerer Parteien tun sich im Dezember zusammen, um sie mit einer Spendenaktion zu finanzieren. „Jeder Schriesheimer Bürger müsste nur 25 Euro geben, dann reicht es“, sagt CDU-Chefin Christiane Haase.

Einziges Problem auch hier: der Zeitdruck. Ob die Erweiterung der Aula in das Projekt aufgenommen wird, das muss bis März entschieden sein. Denn dann will die Stadt beim Landratsamt den Bauantrag zur Sanierung stellen. Und da muss feststehen, ob die Aula erweitert wird, das Geld beisammen ist. So sieht es zumindest der bisher Zeitplan vor. Doch mit Zeitplänen und „allerletzten Terminen“ ist das bei diesem Projekt, das zeigt 2019, so eine Sache.