Schriesheim

Schriesheim Verlegung beginnt heute um 9.30 Uhr

Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Archivartikel

Schriesheim steht heute im Zeichen der Erinnerung an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt weitere elf seiner Stolpersteine. Eingraviert sind in den Messingtafeln die Namen ehemaliger Schriesheimer, die Opfer des Nationalsozialismus geworden sind.

Einen besonderen Charakter erhält die Verlegung der Steine dadurch, dass 14 Nachkommen der Betroffenen dazu eingeladen sind. Sie werden dabeisein, wenn die Stolpersteine mit den Namen ihrer Vorfahren ins Pflaster eingelassen werden, als Mahnmal für heutige und künftige Generationen.

Lore Tobias geborene Sussmann, heute 89 Jahre alt, hat selbst in der Heidelberger Straße 8 gelebt. Sie war bereits 2003 und 2009 auf Einladung der Stadt in ihrer alten Heimat; nun kommt sie in Begleitung ihres Mannes, ihrer Töchter, Schwiegersöhne und einer Enkelin aus den USA. Beginn der Aktion ist um 9.30 Uhr vor dem Haus Römerstraße. Nachfolgend eine Übersicht der neuen Standorte und der Menschen, an die dort erinnert wird.

Römerstraße 15: Seligmann Fuld, 1938 in die USA geflüchtet und dort 1947 verstorben.

Friedrichstraße 18: Klara und Josef Marx und ihre Söhne Lothar, Manfred und Herbert, in die USA und nach Südafrika geflohen.

Heidelberger Straße 8: Simon und Ludwig Oppenheimer, Selma, Ludwig und Lore Sussmann. Simon Oppenheimer war der Vater von Ludwig, der 1940 ins Lager Gurs deportiert wurde und dort starb, sowie von Selma, die mit Ludwig Sussmann verheiratet war.

Seit der ersten Aktion im Jahr 2012 wurden in Schriesheim insgesamt 26 Steine verlegt. Gemäß einem Gemeinderatsbeschluss von 2010 wurden dabei nur solche Häuser in Betracht gezogen, deren Eigentümer einverstanden waren. Im vergangenen Oktober hob das Gremium diese Einschränkung allerdings auf. hje/stk