Schriesheim

Schriesheim Heinz Kimmel, viele Jahre Vize-Bürgermeister und Fraktionschef der Freien Wähler, feiert am Sonntag 70. Geburtstag

Urgestein Schriesemer Kommunalpolitik

Was soll man einem solchen Mann schenken? Blumen, das klassische Geburtstagsgeschenk, hieße bei ihm in der Tat doch nur, Eulen nach Athen zu tragen. Und überhaupt: Wo sollte man sie dann kaufen, um keinen Faux pas zu begehen – bei ihm selbst oder bei einem Mitbewerber?

Die Frage stellt sich bei einem Jubilar wie ihm, denn Heinz Kimmel, der am Sonntag 70. Geburtstag feiert, ist Gärtnermeister von Beruf und aus Passion. Mit einem eigenen Betrieb in der Schanz, den er von seinem Vater Heinrich übernahm, ausbaute und inzwischen, 2015, an die nächste Generation weitergab.

Väterliche Tradition fortgesetzt

Doch vom Vater erbte er nicht nur den Beruf, sondern auch das kommunalpolitische Engagement. Allerdings für eine andere, wenn auch nicht weit entfernte politische Couleur: Saß der Vater zunächst für die FDP im Gemeinderat, so ging Sohn Heinz gleich zu den Freien Wählern. 1980 kandidierte er erstmals für den Gemeinderat, in dem er 1984 Mitglied wurde – und es erstaunliche 35 Jahre lang blieb, bei der Wahl 2014 gar als „Stimmenkönig“. Aus freien Stücken verzichtete er 2019 auf eine erneute Kandidatur – eine Größe, die ja nur wenige Politiker besitzen.

1993 bis 2009 war er Zweiter Vize-Bürgermeister seiner Heimatstadt, 1996 wurde er Vorsitzender der Freien Wähler und damit Nachfolger des legendären Peter Hartmann. Große Schuhe, unkte da mancher. Doch das sagte niemand mehr im Frühjahr 2010, als Kimmel das Amt nach 16 erfolgreichen Jahren abgab.

In der Ära Riehl galt Kimmel innerhalb der Freien Wähler als Haupt der sogenannten „Blumenfraktion“ mit Dieter Knopf, Karl Forschner und anderen, die mit dem Bürgermeister durch dick und dünn gingen, von Riehl auf jeder Gemeinderats-Weihnachtsfeier als „engster Freund“ gewürdigt. Im Bürgermeisterwahlkampf 2005 war Kimmel begeisterter Anhänger Peter Rosenbergers, der von Freien Wählern, CDU und FDP getragen wurde. Die Niederlage zu verwinden, tat er sich schwerer als andere Bürgerliche.

Kimmel ist eben keiner, der bei Gegenwind einknickt. Es gibt kluge Ausnahmen: Seine legendäre Äußerung, sich persönlich ans Steuer des Lkw setzen zu wollen, sollten die abstrakten Bilder aus dem Kerg-Museum weggeschafft werden, würde er heute nicht mehr wiederholen.

Anfangs stand er im Schatten des Freie-Wähler-Übervaters Friedrich Ewald; als dieser 2009 aufhörte, war klar, dass Kimmel die Nummer 1 ist. Er wurde Chef der Fraktion und führte sie unspektakulär, aber auch konfliktfrei. In dieser soliden Art in etwa wie sein legendärer Vorgänger Hartmann. Dass der Jubilar dessen gesegnetes Alter (103 Jahre) erreiche, mag dabei in den Sinn kommen.