Schriesheim

Schriesheim Rennfahrer und Konstrukteur Helmut Fath wäre am Freitag 90 Jahre alt / Gedenkveranstaltung und Schaulauf

„Ursenbach bebt“ erinnert an den zweifachen Weltmeister

Archivartikel

90 Jahre alt wäre Helmut Fath am 24. Mai geworden. Anlass für den MSC Oberflockenbach und den Schriesheimer Ortsteil Ursenbach, zu Ehren des zweifachen Gespann-Weltmeisters eine Gedenkfeier und die dritte Auflage von „Ursenbach bebt“ abzuhalten.

Die Gedenkfeier für den Ehrenbürger von Ursenbach beginnt am Freitag, 24. Mai, um 18 Uhr auf dem dortigen Friedhof, wo der 1993 verstorbene Fath bestattet ist, und wird im Dorfgemeinschaftshaus (Ortsstraße 3) fortgesetzt. Wesentlich mehr Besucher werden am Samstag, 25. Mai, erwartet. Dann findet nämlich die dritte Auflage von „Ursenbach bebt“ statt, das ein Organisationskomitee veranstaltet, dem unter anderem der MSC Oberflockenbach angehört.

Weltmeister am Start

Auf der alten Teststrecke von Helmut Fath zwischen Ursenbach und der Ursenbacher Höhe werden 30 klassische Solo-Motorräder und etliche Renngespanne die Straße hochdonnern. Dass Helmut Fath noch heute, 26 Jahre nach seinem Tod, in der Szene unvergessen ist, zeigen auch die prominenten Fahrer, die am Samstag antreten. Am Start stehen unter anderem der siebenfache Seitenwagen-Weltmeister Tim Reeves aus Großbritannien, der ein Fath-Zweitaktgespann fahren wird, und der zweifache Seitenwagen-Weltmeister Rolf Steinhausen.

Auch Helmut Fath errang zwei Weltmeistertitel: 1960 auf BMW und 1968 auf der URS, einer Eigenkonstruktion. Und das ist sein Alleinstellungsmerkmal: Der Ursenbacher war nicht nur ein Topfahrer, sondern auch ein begnadeter Konstrukteur, der selbst Motoren entwickelte, darunter den URS genannten, revolutionären Viertakt-Vierzylindermotor. Fath hat ihn nach Ursenbach benannt. Seine Begründung: „Die Ursenbacher sollen auch etwas von meiner Bekanntheit haben. Die mussten ja auch den Krach erdulden, den ich bei den Prüfstandsversuchen gemacht habe.“

Den Krach hatten sie auch bei anderen Gelegenheiten. Rolf Edelmann, der die ersten beiden Veranstaltungen „Ursenbach bebt“ organisiert hat, war Augen- und Ohrenzeuge: „Ich sehe ihn noch vor mit, wie er Richtung Rippenweier rast. Da hat man plötzlich einen Riesenlärm gehört und gewusst: Jetzt probiert er wieder etwas aus.“ Testfahrten mit natürlich nicht zugelassenen Rennmaschinen auf öffentlichen Straßen waren selbstverständlich verboten, aber bis die gelegentlich alarmierte Polizei ankam, war Fath schon über alle Berge.

Einmal allerdings wäre es fast schiefgegangen, erinnert sich Edelmann: „Fath fiel bei einer Testfahrt oberhalb von Ursenbach vom Gespann, das unbemannt weiter rollte, knapp den Postbus verfehlte und in einem Garten landete. Konsequenzen: keine.“ Im Gegensatz zu damals verläuft die Veranstaltung am Samstag mit behördlicher Genehmigung und in Abstimmung mit der Polizei.

1970, mit fast 42 Jahren, beendet Fath seine Fahrerkarriere. Doch bald entwickelte sich Ursenbach zum Treffpunkt der Motorradasse, die sich von Fath ihre Motoren schneller machen ließen. Der mehrfache Weltmeister Phil Read, der mit Rolls Royce und Wohnwagen kam, zählte zu den Stammgästen, ebenso viele erfolgreiche deutsche Rennfahrer.

Als Genie bezeichnet Edelmann den Ursenbacher, als „Motorenpapst“: „Er hat am Geräusch von Motoren Leistungsmängel erkannt und wie man sie beheben kann. Das muss man im Blut haben.“ Andere sehen das auch so. „Er hat als Privatmann in seiner Werkstatt einen revolutionären Motor entwickelt, wofür Werke große Teams einsetzen“, sagt Klaus Vogel, Chef des Motorradmuseums in Otterbach: „Der Helmut Fath war ein Genie.“ Seinen 90. Geburtstag sollte Fath nicht erleben: Am 19. Juni 1993 starb er im 65. Lebensjahr.

„Ursenbach bebt“ beginnt am Samstag um 10 Uhr. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass nur einseitiges Parken rechts in Fahrtrichtung Ursenbach erlaubt ist. Eine Alternative: Parken am Schriesheimer Waldschwimmbad und Weiterfahrt mit dem Bus.