Schriesheim

Schriesheim Vereine formieren sich zum Widerstand / Boykott des Mathaisemarkt-Umzugs stand zur Debatte

Verärgert über den Umgang

Archivartikel

Die Schriesheimer Vereine wollen keinen Aufstand gegen die Stadtverwaltung proben. Aber sie sind mächtig aufgebracht über die ihrer Meinung nach schlechte Kommunikation von Seiten des Rathauses. Auch fühlen sie sich von dort schlecht behandelt.

Der Ärger war so groß, dass ein Boykott des traditionellen Mathaisemarktumzugs zur Debatte stand. Gut, das Schreckgespenst ist vom Tisch, doch in den Vereinen brodelt es noch tüchtig. Das zumindest wurde beim Pressegespräch von den Vertretern einiger Vereine, Armin Dremel (Raubritter), Werner Morast (SVS), Rainer Müller (Angelsport), Robert Long (TCS) und Jürgen Busch (TV) deutlich gemacht.

Fass zum Überlaufen gebracht

„Für uns waren weniger die neuen Sicherheitsauflagen das Problem, vielmehr hat uns der Zeitpunkt und die Art und Weise, wie diese herübergebracht wurden, geärgert“, brachte es Armin Dremel auf den Punkt. „Sicherheit war für uns nie ein Thema“, unterstrich Robert Long und hob die gute Zusammenarbeit und das gute Verhältnis zwischen allen Vereinen hervor.

Was das Fass zum Überlaufen gebracht habe, war ein Meeting im Rathaus, so die Vereinssprecher. Dort saßen fünf uniformierte Polizisten, Mitarbeiter einer Security Firma und Mitarbeiter der Stadt den Vereinsmitgliedern wie ein Exekutionskommando gegenüber und hauten ihnen die neuen Richtlinien um die Ohren, beschrieb Dremel das erniedrigende Zusammentreffen im Rathaus.

Die Vereinsmitglieder warteten vergebens auf ein vom Orga-Team erarbeitetes Sicherheitskonzept. Doch Pustekuchen, das Orga-Team holte stattdessen zum Rundumschlag aus. Bei der Aufstellung in der St. Wolfgang Straße solle keine oder nur sehr leise Musik gespielt werden, bei der Auflösung in der Passein müsse sofort zurück auf den Hof gefahren werden, jeder Wagen von je vier Engeln in Warnwesten begleitet werden. Nicht nachvollziehbar sei auch, dass Fahrer und Engel mit ihrer Unterschrift für eventuelle Unfälle haftbar gemacht werden sollen.

„Man wurde herabgestuft als lautes, pöbelndes Volk, das nach dem Umzug möglichst schnell wieder verschwinden soll“, beschrieb Dremel wie er und die anderen Vereinskollegen sich bei diesem Meeting gefühlt haben. Geeinigt habe man sich, dass die Kosten der Sicherheitsmaßnahmen ein Jahr lang die Stadt übernimmt, doch wie sieht es im nächsten Jahr aus?

Wut und Enttäuschung sind groß. Einerseits werde das Ehrenamt über den grünen Klee gelobt, und dann werde man im Regen stehen gelassen. Sind es doch die Vereine, die Verantwortung übernehmen, sich in die Jugendarbeit einbringen und, ohne hochzustapeln, das „Gerüst der Stadt“ seien.

Eingefordert wurde 14 Tage nach dem Mathaisemarkt ein runder Tisch. „Wenn man gemeinsam die Probleme angeht, werden sicherlich gute Lösungen für die Zukunft gefunden werden“, so lautete an diesem Abend das Resümee. Zur Sprache kam wieder die Forderung nach einem eigenen Ansprechpartner innerhalb der Verwaltung.

Die Vereine haben aber noch einen Trumpf im Ärmel: Alle sind sich einig, dass man gemeinsam und solidarisch den Umzug abbreche, sollte bei der letzten Überprüfung vor dem Umzug nur ein einziges Fahrzeug nicht zugelassen werden. greg