Schriesheim

Schriesheim Friedrich Ewald feiert an diesem Montag seinen 70. Geburtstag / Jahrzehntelang an der Spitze der Freie-Wähler-Fraktion, der Winzer und der Volksbank

Verbindung von Bodenständigkeit und Eleganz

Eigentlich wollte er an diesem Montag feiern, in der Weinstube seines Freundes Wilhelm Müller. Daraus wird nun nichts, wegen Corona. Er nimmt es mit der ihm eigenen Gelassenheit. Denn auch so kann Altstadtrat Friedrich Ewald, Ehrenvorsitzender der Schriesheimer Winzergenossenschaft und ehemaliger Direktor der Volksbank Kurpfalz, an seinem heutigen 70. Geburtstag zufrieden auf ein erfolgreiches Wirken blicken.

Denn er ist ein Stück weit eine besondere Erscheinung. In für Schriesheim nicht alltäglicher Weise verbindet er Bodenständigkeit mit Eleganz, stand mit Winzerhemd im Wingert ebenso seinen Mann wie als Banker im Nadelstreifen, kennt die Familiengeschichten der Schriesemer mit ihren Verästelungen ebenso wie Sportergebnisse und Börsenkurse.

In die Wiege gelegt ist dem Jubilar dies nicht, als er am 23. November 1950 in Heidelberg das Licht der Welt erblickt. Der Vater stirbt schon früh, der junge Frieder startet nach Schule und Bundeswehr (bei den Fallschirmjägern) seinen außergewöhnlichen beruflichen Aufstieg.

Mit 28 Jahren Bank-Vorstand

Im Alter von erst 28 Jahren wird er 1979 Vorstand der noch kleinen Raiffeisenbank Schriesheim. Doch diese Bank und damit auch seine Position werden immer größer – nach Fusionen zuerst in 2000 mit Banken aus Hirschberg und aus Ladenburg zur Volksbank Neckar-Bergstraße, 2009 mit der Heidelberger H+G Bank zur späteren Volksbank Kurpfalz.

Abgehoben ist „der Frieder“ dennoch nie, vielmehr der Tradition verbunden, nicht zuletzt seinen Vereinen, vor allem den sportlichen, die er nicht selten großzügig fördert. Begeisterter Handballer, ist der Rand des Spielfeldes einer der Orte, an denen der sonst so beherrschte Jubilar schon mal so richtig ausflippt. Ehrenmitgliedschaften im Turnverein und im KSV zeugen von seinen Verdiensten im Vereinsleben der Stadt.

Ausgleich findet er im Weinberg. Nach dem Tode seines Vaters übernimmt er den Wingert (40 ar) und dessen Mitgliedschaft in der WG, deren Vorsitzender er 1988 wird. Drei Jahrzehnte lang sollte er sie prägen.

Bank und WG – von dieser bedeutenden gesellschaftlichen Stellung aus ist es nicht weit zum kommunalpolitischen Engagement, und zwar im Rahmen der Freien Wähler. 1980 wird er für sie in den Gemeinderat gewählt, als Nachfolger des legendären Peter Hartmann bald Fraktionschef. Als solcher führt er den Spagat zwischen Loyalität zu dem aus dem gleichen „Stall“ stammenden Bürgermeister Peter Riehl und der Profilierung als eigenständige Kraft.

2009 kündigt er aus freien Stücken den Rückzug an – entnervt von manch fruchtloser Debatte des politischen Betriebes und im Angesicht stärkerer beruflicher Anforderung nach erneuter Bankenfusion. Die bauliche Zukunft der Schriesheimer Filiale setzt er noch aufs Gleis, bevor er auch beruflich in Ruhestand tritt.

Die gewonnene Zeit widmet er Ehefrau Christa, der großen Familie, seinen Freunden, die sich darauf freuen – nun eben bis nach Corona.