Schriesheim

Schriesheim Gemeinderat billigt fast einstimmig Interimsbau zur Schulsanierung – allerdings erst nach hitziger Debatte

Von offener Begeisterung bis zu Unmut über „Blechdosen“

Für die Generalsanierung im Kurpfalz-Schulzentrum ist der entscheidende Grundstein gelegt: In seiner Sitzung gestern Abend beschloss der Gemeinderat nahezu einstimmig Planung und Finanzierung für den sogenannten Interimsbau, in dem die Schüler während der fast drei Jahre dauernden Bauarbeiten unterrichtet werden sollen. Das Provisorium besteht aus 133 Containern, die auf dem Lehrerparkplatz und im Schulhof aufgestellt werden.

Ursprünglich favorisierte die Verwaltung dafür eine Containeranlage entlang der Max-Planck-Straße. Doch dafür hätten ein kleiner Hügel planiert werden und die dortigen 50 Bäume weichen müssen. Der Gemeinderat lehnte den Plan ab.

Nun entschied sich die Verwaltung für den Parkplatz des Schulzentrums und den Schulhof. Da dort jedoch nicht die für alle Schüler notwendige Zahl an Containern unterzubringen ist, soll die Sanierung in drei Abschnitten erfolgen, so dass jeweils nur ein Teil der Schüler dorthin umziehen muss. Dadurch betragen die Kosten auch „nur“ 2,1 Millionen Euro – statt der bislang geschätzten vier bis fünf Millionen.

Dennoch nach wie vor kritisch zeigte sich die Grüne Liste. „Wir wissen immer noch nicht, wie viel das Projekt insgesamt kostet“, beklagte Robert Hasenkopf: „Wir hatten eigentlich gedacht, dass uns diese Kostenschätzung heute vorgelegt wird.“ Beides hänge nämlich miteinander zusammen: „Wenn eine zu hohe Summe herauskäme, dann brauchen wir gar kein Interimsgebäude.“

Frühere Gegner bleiben skeptisch

Auch die Freien Wähler kritisierten, dass immer noch keine detaillierte Kostenrechnung für das Gesamtprojekt vorliegt. Dem Interimsbau stimmten sie zu: „Der Standort ist der, den wir vorgeschlagen hatten“, erinnerte Bernd Hegmann. Die als Ersatz für den wegfallenden Parkplatz geplante Anmietung privater Flächen lehnte er aber ab: „Die Lehrer sind gerne bereit, die Strecke von der Mehrzweckhalle zu laufen.“

Voll zufrieden zeigten sich die Befürworter des Projektes: „Zum ersten Mal begeistert mich das Thema“, bekannte CDU-Fraktionschef Michael Mittelstädt. „Die heutigen Zahlen widerlegen die Unkenrufe mit Zahlen, die im letzten Jahr in Umlauf gebracht wurden“, betonte er: „Wenn dies so weitergeht, wäre es super.“

Auch die SPD zeigte sich zufrieden mit der Lösung: „Wir haben immer uneingeschränkt zur Schulsanierung gestanden“, betonte Renate Hörisch-Helligrath. Vor allem freute sie sich über die im Vergleich zur ersten Schätzung niedrigeren Kosten: „Das ist eine positive Überraschung, die nach unseren Erfahrungen mit anderen Bauprojekten kaum zu glauben ist“, meinte die SPD-Stadträtin. Allerdings werde die Sanierung für die gesamte Schulgemeinde große Belastungen mit sich bringen.

FDP-Rat Wolfgang Renkenberger lobte den Diskussionsprozess, der zum jetzigen Punkt geführt hat: „Das ist eine Sternstunde städtischer Demokratie“, formulierte er: „Es wurde gut argumentiert und diskutiert und am Ende einstimmig entschieden.“

Für Wirbel sorgte Grünen-Stadtrat Georg Grüber mit seiner Wortmeldung. Der Zimmerer kritisierte die Container-Lösung heftig. Alleine der Transport der 133 Container aus Asien setze eine Millionen Kilogramm Kohlendioxid frei. Auch finanziell sei die Lösung nicht nachhaltig: „Wir zahlen zwei Millionen – nur für Miete.“ Die Unterbringungsqualität sei schlecht: „Ich würde meine Kinder nicht in diese Blechdosen reinsetzen“, sagte er und setzte noch eins drauf: „Für mich persönlich ist das der letzte Dreck.“

Vor allem diese Formulierung sorgte bei anderen Fraktionen für Kritik. Frank Spingel (CDU), Heinz Kimmel (FW) und Sebastian Cuny (SPD) wiesen diese Einschätzung entschieden zurück. „Unser Gymnasium wird es während der Bauphase ohnehin schwer haben gegenüber der Konkurrenz“, warnte Cuny: „Wenn dann noch öffentlich von Blechdosen gesprochen wird, dann schadet dies der Schule massiv.“

Bei der Schlussabstimmung erhielt der Interimsbau fast einmütige Zustimmung. Nur Georg Grüber votierte dagegen, Robert Hasenkopf enthielt sich der Stimme. Wie Bürgermeister Hansjörg Höfer mitteilte, sollen die Container zum Ende des Jahres stehen. Dann wird der erste Teil der Schüler des Gymnasiums hierher umziehen, so dass die Arbeiten am 4. Februar beginnen können.