Schriesheim

Vorfahrt für die Sicherheit

Konstantin Groß über den Streit um den Festzug

Die Auflagen der Stadt für den Mathaisemarkt-Festzug bergen erstaunliches Konfliktpotenzial. Nicht mal die Sanierung des Schulzentrums entfaltet so viele und so emotionale Diskussionsbeiträge. Insofern war die gestrige Pressekonferenz der Stadt hilfreich, aber auch überfällig. Wäre sie früher erfolgt, wäre manche Irritation gar nicht entstanden.

Klar ist nämlich: Der Unmut kam auf, weil die Festzug-Vorgaben der Tropfen waren, der das Fass der Auflagen für Vereine generell (etwa für Säle) zum Überlaufen brachte. Und manche Partei ist im Vorfeld der Kommunalwahl gern aufgesprungen.

Klar ist auch, dass kein besonders strenges „Lex Schriesecco“ praktiziert wird. Ja, mehr noch: Die Stadt versucht, aus den Vorgaben das Beste zu machen. Dass Vereine sich dagegen wehren, für ihren Wagen vier Begleitpersonen zu stellen, ist unverständlich. Wer es nicht schafft, für die prestigeträchtigste Veranstaltung seiner Stadt vier Aktive zu organisieren, kann das Buch zumachen.

Die Vorgabe, im Vorfeld die Begleiter zu benennen, liegt sogar im Interesse der Vereine selbst, hat dies doch auch eine disziplinierende Wirkung. Offen bleibt, was geschieht, wenn sie dennoch nicht kommen und dies kurz vor dem Losfahren klar wird. Kann oder muss der Start des Wagens untersagt werden? Und wann: Wenn alle vier Begleiter fehlen? Oder schon einer? Oder zwei? Der Ordnungsamtschef ist um seine Ermessensentscheidung nicht zu beneiden. So oder so läuft er ein Risiko: Wenn er Stopp sagt und dafür kritisiert wird oder wenn er es laufen lässt und etwas passiert.

Und das ist ja der Albtraum aller Verantwortlichen. „Leben ist immer lebensgefährlich“ mag mancher mit Erich Kästner sagen. Doch im Gegensatz zu derartigen Wohnzimmerphilosophen ist eine Stadt in der Pflicht; Duisburg mit seiner Love Parade mahnt. Daher: Vorfahrt für die Sicherheit!