Schriesheim

Schriesheim Traditioneller Fahrradflohmarkt der Grünen Liste

Was nicht verkauft wird, kommt nach Afrika

„Was soll denn dieses Fahrrad kosten“, fragte eine interessierte Käuferin, nachdem sie den Drahtesel genau in Augenschein genommen hatte. Der Preis wurde mit 50 Euro angegeben, doch das schien der Interessentin zu teuer und die Verkäuferin wollte partout nicht handeln. „Dann eben nicht“, meinte die potentielle Käuferin und wandte sich einem anderen Verkäufer zu. Anbieter wie Interessenten gab es beim Fahrradflohmarkt der Grünen Liste auf dem Parkplatz vor dem Rathaus genügend. „Ich versuche die Räder meiner Kinder zu verkaufen, die sind ihnen zu klein geworden“, nannte Jan Wölfer den Grund für seinen Verkaufsversuch.

Die Verhandlungsbasis lag bei 65 Euro. „Das ist das Rad schon wert, immerhin ist es ein Mountainbike und wurde generalüberholt“, begründete er seine Preisvorstellung. Etwas traurig stand Laura – sieben Jahre – vor ihrem kleinen niedlichen Fahrrad. Am liebsten hätte sie es behalten wollen, doch ihre Eltern stellten ihr ein neues und größeres in Aussicht, wenn sie sich von ihrem alten Rad trenne.

Guter Zweck

Nach zehn Jahren ist dieser Fahrradflohmarkt, der von der Grünen Liste und von Heinz Waegner ins Leben gerufen wurde, zu einem Selbstläufer geworden. Einmal kann man hier zu Schnäppchenpreisen gut erhaltene und fahrtüchtige Fahrräder von privaten Anbietern erwerben. Zum anderen dient es einem guten Zweck. Wer sein nicht verkauftes Rad nicht wieder mit nach Hause nehmen will oder ein altes Rad im Keller fand, das aber noch nicht schrottreif ist, das wanderte in einen am Rande stehenden Transporter. „Fahrräder für Afrika“ nennt sich die Aktion, die nach einem gründlichen Check – von der Firma Radhof Bergheim in Heidelberg durchgeführt– nach Ostafrika verschifft werden. Doch zuvor werden alle Räder in Heidelberg im Radhof Bergheim von Langzeitarbeitslosen auf Vordermann gebracht, um sie dann auf eine lange Reise nach Afrika zu schicken.

Uwe Ascherl von der Filiale „Bike im Bahnhof Weinheim“ lud die Räder in seinen Transporter. Er gab auch gerne Auskunft über den Zustand eines Rades, ob sich vielleicht noch eine Reparatur lohne oder ob es doch besser wäre, sich von dem guten Stück zu trennen. Heinz Waegner war mit dem Verlauf zufrieden. „Ich glaube, da braucht es keine große Werbung mehr“, äußerte sich der einstige Kommunalpolitiker. Es gebe nur noch zwei Projekte, die ihm sehr am Herzen liegen und für die er noch kämpfen wolle: die bienenfreundliche Stadt und der Bestattungswald. greg