Schriesheim

Schriesheim Karl-Heinz Schulz übergibt Pflege des Wingerts am Rathaus an Wolfgang Frank

Weinberg hat neuen Hüter

Archivartikel

Über viele Jahre hinweg lag die Pflege des kleinen Lehrweinbergs am Rathaus mit seinen circa 50 Rebstöcken in der Obhut von Karl-Heinz Schulz, ehemals Vorsitzender des Verkehrsvereins. Doch jetzt hat er aus Altersgründen die Pflege in jüngere, aber doch professionelle Hände, die des Winzers Wolfgang Frank, gelegt.

Dieser bewirtschaftet in Schriesheim am Vohberg drei Weinberge mit einer Größe von 37 Ar. Schulz hatte die Pflege 2011, als sein Vorgänger Georg Hauser ins Altenheim zog, übernommen und will sich jetzt zurückziehen. „Mit 75 Jahren, da sollte man etwas kürzer treten“, gab er als Grund an. Die Suche nach einem würdigen Nachfolger entpuppte sich als nicht gerade einfach. „Ich habe über zwei Jahre nach einem Nachfolger Ausschau gehalten“, führte er bei der offiziellen Stabübergabe vor dem Winzerdenkmal am Rathaus aus.

Zu diesem kleinen Festakt kamen viele seiner Helfer und Mitstreiter, darunter Alt-Bürgermeister Peter Riehl, Bürgermeister Hansjörg Höfer, Vorstandsmitglieder des Verkehrsvereins, Stadträte und auch Peter Grüber, der damals bei der Modellierung des dort aufgestellten bronzenen Winzers Modell stand. „Ich stand damals Modell, weil ich den typischen Schriesheimer Winzer verkörpere, Winzer und Weintrinker“, scherzte er.

Das Winzerdenkmal ist ein Geschenk Alt-Bürgermeister Peter Riehl zu seinem 20-jährigen Dienstjubiläum. Mag auch der kleine Weinberg vor dem Rathaus recht bescheiden wirken, so konnte dort auch dank professioneller Unterstützung bei der Pflege ein recht ordentlicher Ertrag erzielt werden. „Erst haben wir Trauben an die Kindergärten verschenkt, doch das war dann aus rechtlichen Gründen nicht mehr erlaubt“, berichtete Schulz. Und die 48 Flaschen Wein, die aus den Trauben gekeltert wurden, verteilte man ausschließlich als Geschenke.

„Dann kam die Idee auf, aus den Trauben Weinbrand zu brennen“, berichtete Schulz weiter. Und das Getränk mit dem Namen Rathausbuckel und seinen 42 Prozent hat es in sich. Genießen dürfen es ausschließlich Jubilare, denn auch der Weinbrand wird als Geschenk verteilt. In seiner humorvollen Art schilderte Schulz, wie er und seine Stammtischfreunde beim „Franke Doktor“ zusammengesessen seien, und nach dem vierten Viertel Wein habe der Bruder des Wirts, Wolfgang Frank, sich bereiterklärt, sein Nachfolger zu werden.

Da musste Alt-Bürgermeister Riehl, der bei dieser Amtsübergabe als Zeuge fungierte, etwas richtigstellen: „Es waren fünf Viertele Wein“. Frank hat auch schon ein neues Produkt im Auge: Aus der Lese will er keinen Weinbrand mehr machen, sondern Traubenwasser. „Da werden die Trauben mit der Beerenschale vergoren und daraus Schnaps gebrannt“, erläuterte er die Herstellung. Im Anschluss stieß man mit Weinbrand vom Rathausbuckel auf die Übergabe an. greg