Schriesheim

Schriesheim Die drei Künstler der Ausstellung im Gespräch

Werke mal mit und mal ohne Farbe

Archivartikel

Da es während der Ausstellung von „Hoch – Flach – Tief“ keine Führungen gegeben hatte, war die Finissage eine letzte Möglichkeit für Gäste, die Werke noch einmal zu sehen und mit den Künstlern – in lockerem Rahmen bei einem Glas Wein – ins Gespräch zu kommen. Und der „MM“ nutzte diese Gelegenheit.

Priem widmet sich Verlassenem

Harald Priem verwendet verlassene Orte und die Gegenstände, die er an diesen findet, als seine Quelle der Inspiration. Diese „Unorte“, wie er sie nennt, macht Priem zu seinem Atelier – seien es verfallende Kindergärten, Fabrikhallen oder verlassene Krankenhäuser.

Auf der Spur nach dem vergangenen Leben der Gebäude nutzt der Künstler gefundene Gegenstände oder Arbeitsmittel, um damit seine „Briefe zu schreiben, die nicht lesbar sind“. Auf großformatigem Rollenpapier oder auch einfach auf einem Stück Linoleumboden druckt Priem mit den Gegenständen abstrakte Formen in Schwarz und verschiedenen Graustufen. Auf Farbe verzichtet er bewusst, denn die lenke seiner Meinung nach nur vom Konzept ab.

Bei Margarethe Lindau viel Buntes

Ganz anders hält es dagegen die Künstlerin Margarete Lindau, die bei ihren Druckwerken auf das Zusammenspiel von bunten Farben und Linien setzt. „Ich habe da eine spielerische Herangehensweise“, erklärte die Künstlerin.

„Bei meinen Arbeiten verwende ich einen Sieb- oder Durchdruck. Anders als bei der Malerei spiele ich mit der Reduktion an Farben und plane sehr genau, wie ich drucke.“ Die zitternden, gekritzelten, scharfen oder sich windenden Linien mischt Lindau mit sorgsam ausgewählten Farbelementen und schafft so Hinweise auf Explosionen, Bergmassive, Bewegung oder Wasser.

Papes Schwerpunkt: der Mensch

Bei der dritten Künstlerin der Ausstellung, Roswitha Josefine Pape, steht der Mensch im Mittelpunkt des Schaffens. Pape vertritt die klassische Technik des Holzschnitts und die Abbildung der Realität und Landschaftsdarstellung. Aber auch Schablonen-Techniken und Street-art-Elemente finden sich in ihrem vielseitigen Repertoire.

Im Rahmen von „Hoch – Flach – Tief“ zeigte Pape eine Mischung aus älteren Retrospektiven. So etwa Holzschnitte zu Liebe und Büchern, und aktuelle Werke, die sich auch politisch positionieren.

Beispielhaft dafür ist ihr Werk, das einen Strand zeigt, der für die westliche Bevölkerung ein Ort der Romantik und Sehnsucht ist, aber durch die Flüchtlingswelle auch zu einem Platz der Verzweiflung werden kann.

Pape selbst beschreibt ihre Werke als experimentell: „Ich klebe und drucke nicht nur auf Leinwände, sondern verknüpfe das mit Malerei. Und ich nutze auch manchmal Gegenstände, die zu einem Druckstück werden.“ oe