Schriesheim

Schriesheim Anlässlich des Internationalen Tags der Weltbevölkerung stellt sich die Bernhard-und-Ingeborg-Scharf-Stiftung vor

Wichtige Aufklärung mit „BISS“

Bernhard Scharf sitzt am Kopf des Tisches und schmunzelt. „Zuweilen zählt der Prophet eben wenig im eigenen Land“ , wandelt er ein gängiges Zitat ab. Denn dass der langjährige Schriesheimer Stadtrat und Landtagsabgeordnete der FDP gemeinsam mit seiner Frau Ingeborg seit 13 Jahren eine Stiftung unterhält, die sich dem Thema Überbevölkerung widmet, ist eher wenig bekannt. Insofern nutzt die Stiftung den Internationalen Tag der Weltbevölkerung am Donnerstag als Anlass, ihre wertvolle Arbeit wieder einmal der Öffentlichkeit vorzustellen.

Mit dem Thema beschäftigt sich Scharf, promovierter Chemiker und weitgereist, daneben viele Jahre in Kommunal- und Landespolitik engagiert, seit langem. „In meinen Augen ist dies das zentrale Problem der Menschheit“, begründet er. Und die Ursache vieler Erscheinungen unserer Tage: natürlich Armut, aber auch Migration und sogar Klimawandel. 84 Millionen Menschen mehr pro Jahr, so analysiert der Wissenschaftler, das heiße „84 Millionen kleine Wärmekraftwerke mehr“, von denen jedes pro Jahr 380 Kilogramm Kohlendioxid produziere.

250 000 Euro Kapital

So entstand sein Wunsch, etwas Konkretes zu tun. Als seine Frau Ingeborg sich zur Ruhe setzte und die Apotheke, die sie 20 Jahre lang in der Altstadt führte, verkaufte, verfügten sie über das Kapital, um ihr Ziel umzusetzen. Als beste organisatorische Form erschien ihnen eine Stiftung. 2006 gründeten sie die Bernhard-und-Ingeborg-Scharf-Stiftung mit der eingängigen Abkürzung BISS und einem Kapital von 250 000 Euro.

Zunächst lehnten sie ihre Arbeit eng an die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) an. 2015 hatten sie so viel Erfahrung, dass sie eigene Projekte anpackten. Als Ort ihres Engagements entschieden sie sich für Nepal. „In Afrika engagieren sich schon so viele Nicht-Regierungsorganisationen“, begründet Scharf.

Ein weiterer Punkt kam hinzu: Er hatte einen Mann kennengelernt, der vor Ort als Vertrauter wirken konnte: Jörg Bahr, Berufsoffizier im Ruhestand, drei Jahre lang Chef des Wachbataillons der Bundeswehr und zuletzt Leiter der Nato-Schule in Oberammergau – ihm kann niemand etwas vormachen. Bahr ist zwei Mal pro Jahr vor Ort in Nepal, gründete er selbst doch bereits vor einem Jahrzehnt die Schülerhilfe Nepal, die vor Ort Schulen errichtet und betreibt – der ideale Kooperationspartner für die BISS. „Denn der Ansatzpunkt ist Bildung“, betont er.

So finanziert die Stiftung vier „Nurses“ (Krankenschwestern). Sie unterrichten Mädchen in Familienplanung. Denn Information tut Not: Gerade abgelegene Dörfer sind von Aberglauben geprägt. Eine Frau mit Menstruation darf die Küche nicht betreten, sondern muss im Schafsstall hausen. „Auch viele Mädchen selbst haben keinerlei Ahnung von den Vorgängen in ihrem Körper“, berichtet Bahr. Kenntnis darüber sei jedoch unverzichtbare Voraussetzung für sinnvolle Familienplanung. Scharf zitiert als sein Ziel einen Slogan aus Südafrika: „Plan a smaller family for a bigger future“ (Plane eine kleinere Familie für eine größere Zukunft). „Eine Frau, die bis zu ihrem 24. Lebensjahr bereits acht Kinder bekommt, hat keine Chance auf eine Ausbildung“, weiß Bahr.

Ansatzpunkt des Projektes sind denn auch die Mädchen. „Sie nehmen unsere Arbeit dankbar an“, berichtet Bahr: „Nicht selten laufen sie zwei Stunden, auch bei Wind und Wetter, um zu uns zu kommen.“ 8000 Mädchen und Frauen wurden 2018 erreicht, finanziert durch die Stiftung: 2500 Euro für Gehalt je Nurse, dazu 2000 Euro für Material, insgesamt 12 500 Euro Projektkosten.

Doch bei der Erwirtschaftung gibt es ein Problem: Wegen der seit Jahren herrschenden Null-Zins-Phase ist die klassische Stiftungs-Finanzierung nicht mehr machbar, betont Bernhard Scharfs Cousin Christian, der als Stiftungsvorstand fungiert. „Die Finanzierung muss nun vor allem über Spenden erfolgen.“ Sie zu gewinnen, bleibt ein ständiges Ziel.