Schriesheim

Schriesheim Bürgermeister Hansjörg Höfer weist Kritik an Sicherheitsauflagen für den Mathaisemarkt-Festzug zurück

„Wir halten uns nur ans Recht“

Die Stadt Schriesheim weist die Kritik von Vertretern der Vereine und aus der Öffentlichkeit an den Sicherheitsauflagen für ihren Mathaisemarkt-Festzug zurück. „Wir halten uns lediglich an geltendes Recht“, erklärt Bürgermeister Hansjörg Höfer (kleines Bild) am Mittwoch bei einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch im Rathaus. „Wir machen das doch nicht, um die Ehrenamtlichen zu ärgern.“

Bei den Auflagen der Stadt, die für den Unmut der Vereine sorgen, handelt es sich vor allem um zwei:

Die Verpflichtung, für jeden Wagen vier Begleitpersonen zu stellen und diese der Stadt im Vorfeld namentlich zu benennen;

Die Vorgabe, auf Werfen von Bonbons und Ausschank von Wein von den Wagen herab zu verzichten.

Außerdem wird bislang – im politischen Raum vor allem von der Grünen Liste – bemängelt, dass Schriesheim in seinen Sicherheitsauflagen für Vereine im Vergleich zu anderen Kommunen der Region besonders streng agiere. „Genau das Gegenteil ist der Fall“, wehrt sich Achim Weitz, der Chef des städtischen Ordnungsamtes. Und gerade der Festzug sei dafür ein prägnantes Beispiel: „Wir handeln hier besonders flexibel.“

Ziel ist, Kinder zu schützen

Hintergrund: Basis für die Auflagen beim Festzug sind die „Hinweise für Polizei und Verwaltungsbehörden zum Umgang mit Fahrzeug- und Eigenbauten bei örtlichen Brauchtumsveranstaltungen“ aus dem Jahre 2013 sowie die „Straßenverkehrs- und zulassungsrechtliche Behandlung von Umzugsfahrzeugen bei örtlichen Brauchtumsveranstaltungen“ von 2015; diese wurden zwar vom Polizeipräsidium Freiburg ausgearbeitet, gelten mittlerweile jedoch als Grundlage in ganz Baden.

In diesen Vorgaben ist festgelegt, dass Zugmaschinen und Anhänger voll verkleidet werden müssen. Damit soll vor allem verhindert werden, dass Kinder unter die Wagen kriechen und dabei überfahren werden. Das Argument, so etwas sei noch nicht passiert, will Weitz nicht gelten lassen: „In Schriesheim Gott sei Dank nicht, in anderen Städten schon“, weiß der erfahrene Beamte: „Leider haben Eltern auf genau diese Weise ihre Kinder verloren. Und genau aus diesem Grund wurden die heute vorliegenden Richtlinien für Vollverkleidung erlassen.“

Bei den Fasnachtsumzügen in Mannheim wird dies daher seit Jahren verlangt. „In Schriesheim ist nun aber das Problem, dass bei unserem Umzug historische Traktoren mitfahren“, erläutert Bürgermeister Höfer: „Wenn wir die voll verkleiden, ist von ihnen nichts mehr zu sehen.“

Aus diesem Grund hat das Ordnungsamt mit der Mannheimer Verkehrspolizei folgende Einigung erzielt: Die Vereine können auf Vollverkleidung der Zugmaschinen verzichten; im Gegenzug stellen sie vier durch Warnwesten gekennzeichnete Begleitpersonen, die sogenannten Wagenengel. Als zusätzliche optische Barriere sollten jeweils zwei auf jeder Seite mit einem Seil oder Flatterband verbunden sein. Die vorherige Nennung der Namen der Begleitpersonen durch die Vereine sei unerlässlich, damit dies nachvollziehbar sei: „Das ist doch auch im Interesse der Vereine“, sagt Weitz, denn es gebe auch ihnen Sicherheit.

Zweitens: Um schon den Grund für ein Krabbeln von Kindern unter den Wagen zu nehmen, soll auf das Werfen von Bonbons verzichtet werden. Ähnliches gilt auch für das Ausschenken von Wein vom Wagen. Es verleitet Erwachsene, zu sehr an die Zugfahrzeuge heranzutreten. Ausgabe von Wein und Bonbons durch Fußgruppen ist nach wie vor gestattet, betont die stellvertretende Ordnungsamtsleiterin Isabel Herschel.

Nicht zutreffend ist laut Stadt die Kritik, diese Vorgaben seien in diesem Jahr ohne Konsultation erfolgt: „Sie gelten seit 2013 und wurden spätestens ab 2016 den Vereinen jährlich kommuniziert“, so Herschel. Im Zuge der Neubearbeitung des Gesamtthemas Sicherheit mit der Polizei werde nun jedoch stärker auf Einhaltung geachtet. (Bild: -tin)

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