Schriesheim

Schriesheim FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger über die Generalsanierung des Kurpfalz-Gymnasiums und den Einstieg in den sozialen Wohnungsbau

„Wir wollen gar kein Neubaugebiet“

Die FDP unterstützt die Pläne der Verwaltung für die Generalsanierung des Kurpfalz-Gymnasiums Schriesheim, lehnt eine zentrale Maßnahme zu ihrer Finanzierung jedoch ab. „Wir wollen gar kein Neubaugebiet“, erklärte FDP-Einzelstadtrat Wolfgang Renkenberger.

Herr Renkenberger, wie fällt Ihre Bilanz aus, wenn Sie auf das vergangene Halbjahr zurückblicken?

Wolfgang Renkenberger: Es waren wichtige Monate für Schriesheim. Die Schuldiskussion wurde endlich auf die Zielgerade geführt, und es wurden wichtige Personalentscheidungen für die Verwaltung gefällt.

Wie ist das Klima innerhalb des Gemeinderates?

Renkenberger: Es gibt nur eine Fraktion, mit der sich das Miteinander ein wenig schwierig gestaltet, weil sie aus der gemeinsamen Vorgehensweise zuweilen ausschert . . .

Wen meinen Sie denn damit?

Renkenberger: Die Grüne Liste.

Können Sie Beispiele nennen?

Renkenberger: Die Anträge der Grünen zu Kostenbelastungen der Vereine oder für eine nochmalige Diskussion des Themas Schulzentrum. Vier von fünf Fraktionen haben dies für überflüssig gehalten. Das hatte doch sicher seinen Grund.

Und das Verhältnis zwischen Gemeinderat und Verwaltung wurde gerade dadurch getrübt, dass der Bürgermeister bei der Wahl eines Amtsleiters gegen das Mehrheitsvotum des Rates sein Veto einlegte.

Renkenberger: Da dies ein nicht-öffentlicher Vorgang war, möchte ich mich zur Sache selbst nicht äußern. Richtig ist jedoch, dass die Stimmung zwischen Rat und Verwaltung dadurch extrem angespannt ist. Viele Kollegen empfanden nach der Vorgehensweise des Bürgermeisters eine große Ohnmacht.

Wie stehen Sie zur Generalsanierung des Kurpfalz-Gymnasiums?

Renkenberger: Also, ich bin einer der sogenannten Sanierungsbefürworter, wie sie in der öffentlichen Diskussion derzeit ja genannt werden. Natürlich habe ich auch Bedenken wegen der finanziellen Risiken. Aber bei der Abwägung von Risiken und Chancen entscheide ich mich diesmal für die Chancen. Ich bin eben Optimist, sonst könnte ich ja auch nicht in der FDP sein (lacht).

In der Diskussion kam ja auch die Frage auf, ob sich eine Kleinstadt wie Schriesheim überhaupt sämtliche Schularten leisten soll?

Renkenberger: Ich bin dafür, den gegenwärtigen Standard und damit den Charakter als Schulstadt zu halten. Ich glaube nach wie vor, dass ein umfassendes Bildungsangebot ein Faktor dafür ist, dass sich Familien in Schriesheim ansiedeln. Wohnen, und das auch noch günstiger, können sie ja auch in anderen Gemeinden. Es ist unser umfassendes Bildungsangebot, das den Unterschied zu den anderen Gemeinden macht.

Zur Finanzierung der Sanierung beitragen soll ja ein Neubaugebiet. Wie stehen Sie dazu?

Renkenberger: Obwohl ich ein Sanierungsbefürworter bin, sehe ich diesen Punkt sehr, sehr kritisch. Wir von der FDP wollen eigentlich gar kein Neubaugebiet. Wir präferieren vielmehr eine Binnenverdichtung.

Schriesheim hat den Einstieg in den sozialen Wohnungsbau beschlossen. Das ist ja nicht gerade ein Herzensanliegen der FDP.

Renkenberger: Auch wir sehen natürlich, dass es für bestimmte Bevölkerungsgruppen schwierig ist, in Schriesheim Wohnraum zu finden. Eingriffe in den Markt halten wir jedoch für den falschen Weg. Der jüngst vom Gemeinderat mehrheitlich beschlossene Antrag der SPD, private Investoren zu verpflichten, einen bestimmten Anteil kostengünstigen Wohnraum auszuweisen, kann leicht nach hinten losgehen.

Welche Lösung bevorzugen Sie bei der notwendigen Erweiterung des Feuerwehrhauses?

Renkenberger: Einen Neubau im Neubaugebiet lehnen wir ab. Nur der jetzige Standort ist so zentral, wie er sein muss. Wir präferieren daher eine Erweiterung über den Kanzelbach hinaus auf den Festplatz.

Wie stehen Sie zu den beiden geplanten Windenergie-Standorten?

Renkenberger: Wir lehnen Windenergie ab, die sich nur dann rechnet, wenn sie massiv subventioniert wird. Insofern lehnen wir auch die beiden jetzt für Schriesheim vorgesehenen Konzentrationsflächen ab. Zumal diese im Wald liegen, wo die begleitende Infrastruktur erhebliche Schäden verursachen würde.

In zehn Monaten sind Kommunalwahlen. Werden Sie noch einmal antreten?

Renkenberger: Ja, ich stelle mich mit der Bilanz der Arbeit, die ich in den zurückliegenden zehn Jahren geleistet habe.

In drei Jahren befinden wir uns mitten im Bürgermeisterwahlkampf, zu dem Herr Höfer nicht mehr antritt. Spielt das Thema für Sie bereits eine Rolle?

Renkenberger: Es gilt die Lehre, die alle Beteiligten aus der letzten Wahl 2013 gezogen haben . . .

. . . also aus der Kandidatur des gemeinsamen Bewerbers von CDU, Freien Wähler und FDP, dessen frühere AfD-Mitgliedschaft erst im Wahlkampf bekannt wurde?

Renkenberger: Ja – schön, dass Sie dies noch einmal so ausführlich darstellen (). Klar ist, dass es so wie damals nicht laufen kann und darf. Klar ist aber auch, dass die Karten 2021 völlig neu gemischt werden. schmunzelt