Schriesheim

Schriesheim Lothar Binding spricht auf der Mannswiese

Wurst, Kaffee und Politik

Archivartikel

Ob politisch motiviert oder nicht: Am 1. Mai ziehen ganze Scharen zur Mannswiese hin. „Wir machen den kleinen Ausflug eigentlich jedes Jahr“, so Herbert Schmitt, der gestern einen Bollerwagen hinter sich herzog, in dem es sich zwei kleine Mädchen nach dem Motto „schlecht gezogen ist besser als gut gelaufen“ gemütlich gemacht haben. Überholt wurde die kleine Gruppe von anderen, die auf ihre Wanderung gleich ihre Vierbeiner mitgenommen haben. Mit dem Lied „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“, eröffneten die Genossen der Schriesheimer SPD stimmungsvoll die traditionelle Kundgebung zum „Tag der Arbeit“.

Wie in den Jahren zuvor wurde der Bundestagsabgeordnete Lothar Binding erwartet und, als er etwas verspätet eintraf, mit Applaus begrüßt. In seiner Ansprache hob der Politiker den Begriff der Solidarität hervor und leitete zur internationalen Solidarität und zur Geburtsstunde von Europa über. Aus G 20 sei G 2 geworden, was nichts anderes bedeute, als eine bipolare Welt, wo sich Europa und Deutschland zwischen China und den USA bewegten. „Nur in Europa haben wir eine echte Chance, in dieser bipolaren Welt zu bestehen“, hob er hervor. Europa sei als etablierte Demokratie Sehnsuchtsort vieler Menschen in Asien und Afrika. Bei den Wahlen müsse Europa deshalb gestärkt werden.

Auch Axel Breinlinger, Vorsitzender der SPD Schriesheim, betonte die Solidarität: Ob es im Zeitalter der Globalisierung und des Internets überhaupt noch eine Solidarisierung geben könne, fragte er. Breinlinger beklagte den Mitgliederschwund in den Vereinen, das Austrocknen des Ehrenamtes und die Aggressivität im Straßenverkehr, wo oft nicht einmal für Rettungsfahrzeuge eine Gasse gemacht werde und man die Helfer durch „geile“ Videoaufnahmen behindere.

Für die Besucher auf der Mannswiese gehört die Kundgebung zum 1. Mai einfach dazu: „Zum Tag der Arbeit eine Maikundgebung zu besuchen, das ist von jeher Tradition in unserer Familie“, sagte etwa Ilona Wernike und erzählte,wie sie immer mit ihrem Vater gekommen ist: „Anschließend gab es immer an einer Würstchenbude eine Currywurst.“

Auf die musste sie in diesem Jahr verzichten, stattdessen gab es einfach Würstchen, Kaffee und Kuchen. Und auch für die Kinder hatten sich die Jusos etwas überlegt: Die kleinen Gäste konnten auf Schaumküsse schießen. Das machte offensichtlich großen Spaß, und dementsprechend gab es vor dem Spielgerät eine lange Warteschlange. greg