Schriesheim

Schriesheim Verwaltung legt ersten Sozialbericht vor

Zahlenwerk mit konkreten Folgen

Edwin Schmitt gilt in Schriesheim als "Meister der Zahlen". Dem Leiter des Hauptamtes kann in Sachen Statistik über die Stadt kaum jemand etwas vormachen. Und gleichwohl brachte der erste Sozialbericht der Verwaltung auch für ihn manch Neues, bekannte er bei der gestrigen Präsentation der Studie durch Bürgermeister Hansjörg Höfer und Sozialamts-Leiterin Christine Söllner.

Die Verwaltung hatte sich entschlossen, eine Bestandsaufnahme der sozialen Situation in der Stadt vorzunehmen. "Anlass war die Flüchtlingsproblematik", erläuterte Bürgermeister Höfer. Auch, um dem alten, aber irrigen Vorwurf zu begegnen: "Für die Fremden macht Ihr alles, für die Armen vor Ort nichts."

Zwar hat Schriesheim das zweithöchste Pro-Kopf-Aufkommen an Einkommenssteuer im Kreis; gleichwohl haben hier 34 Prozent ein geringes, 37 Prozent ein mittleres und 29 Prozent ein hohes Einkommen.

In Schriesheim leben mehr als 500 Alleinerziehende, von denen etwa 40 Prozent armutsgefährdet sind, dazu 250 Arbeitslose, 200 Sozialhilfeempfänger und knapp 40 Überschuldete. Nach den Worten Söllners gab es schon in diesem Jahr 16 Räumungsklagen, 87 Haushalte besitzen Ausweise für eine Tafel.

"In Schriesheim gibt es einen Personenkreis von 200 bis 300 Menschen, um den wir uns intensiv kümmern müssen", so Schmitt. Besonders schockiert hat ihn die Zahl der von Armut bedrohten Kinder: In Schriesheim sind es mehr als drei Prozent, in absoluten Zahlen 71. "Man fragt sich natürlich: Wo sind sie?" Höfer zeigte sich überrascht vom hohen Anteil der Menschen mit niedrigem Einkommen: "Ich dachte, der Anteil der Menschen mit mittlerem Einkommen wäre höher."

Auch am anderen Ende des Lebens sieht es nicht immer rosig aus. "Mancher Schriesheimer, der sein ganzes Leben in seiner Heimatstadt gelebt hat, kann sich als Rentner eine Wohnung hier nicht mehr leisten und muss wegziehen", weiß Söllner.

Doch das Zahlenwerk soll natürlich kein Selbstzweck sein. "Unser Ziel ist es, den Gemeinderat für die Problematik zu sensibilisieren", erläutert Schmitt. Aus diesem Grunde wurde er dem Stadtparlament bereits vorgestellt und in nicht-öffentlicher Sitzung "intensiv diskutiert".

Wenn es nach Höfer und Schmitt geht, wird das Zahlenwerk konkrete politische Konsequenzen haben, vor allem in den Bereichen Sozial- und Wohnungspolitik. Mit Beginn des neuen Jahres wird sich eine Sozialarbeiterin mit einer halben Stelle um dieses Klientel kümmern. In der Talstraße unterhalb des Sudhauses soll ein Gebäude mit Gemeindewohnungen entstehen - für Flüchtlinge und Einheimische (detaillierte Analyse des Sozialberichtes folgt noch).