Schriesheim

Schriesheim Städtepartnerschaft mit Uzès besteht seit 35 Jahren / Mehrere Aktivitäten in beiden Städten

„Zeichen gegen Europa-Skepsis“

Vor 35 Jahren wurde die Städtepartnerschaft zwischen Schriesheim und Uzès begründet – „kein klassisches Jubiläum“, wie Claudia Ebert, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, weiß: „Wir sprechen daher ja von Geburtstag.“ Gleichwohl wird dieser Jahrestag des lokalen Projektes deutsch-französischer Freundschaft und europäischen Gedankens in diesem Jahr in beiden Städten ausgiebig gefeiert – „bewusst als Zeichen gegen die wachsenden europa-skeptischen Kräfte“, wie Bürgermeister Hansjörg Höfer betont.

Sein Anliegen unterstreicht Höfer auch dadurch, dass er die Presse ins Rathaus einlädt, um gemeinsam mit dem Vorstand des Partnerschaftsvereins die geplanten Aktivitäten in beiden Städten vorzustellen.

„Der europäische Gedanken ist unter Druck“, spürt auch Höfer: „In Frankreich besteht sogar die Gefahr einer extrem rechten Mehrheit.“ Das würde auch Auswirkungen auf die Jumelage haben: „Wir sehen, dass in jenen Städten, in denen der Front National die Bürgermeister stellt, die Städtepartnerschaften abbrechen.“

Dem gelte es entgegenzuwirken – durch die Begegnung zwischen den Menschen, vor allem Jüngeren: „Ich freue mich daher, dass die Schulpartnerschaft zwischen den beiden Gymnasien so floriert.“ „Auch wenn die Jugendlichen deren Wert wohl nicht schätzen können, weil das Europa ohne Grenzen für sie Normalität ist und sie selbst international leben“, wie Claudia Ebert einwirft.

Chapon kommt nach Schriesheim

Umso wichtiger ist es, die Jahrestage der Jumelage zu feiern wie sie fallen. Und dazu besteht in diesem Jahr ja ausreichend Gelegenheit.

Der Reigen der Veranstaltungen beginnt am 29. April, wenn die hochrangige Delegation aus Uzès nach Schriesheim kommt – angeführt von Jean-Luc Chapon, seit 37 Jahren Bürgermeister; ungeachtet seines Alters (77) hat er für 2020 bereits seine erneute Kandidatur angekündigt.

Ein Teil der Gäste reist die 860 Kilometer mit dem Zug von Avignon nach Mannheim an, der Rest nimmt die achtstündige Fahrt mit dem Auto auf sich. Untergebracht sind die Gäste alle privat – nur Bürgermeister Chapon wohnt beim „Hauser“.

Auf die Besucher wartet ein umfangreiches Programm: Am Dienstagvormittag ist die Region im Angebot; ein Teil der Gäste geht zur beliebten Schlossbesichtigung nach Heidelberg, die anderen nimmt Höfer mit auf den Mannheimer Maimarkt, auf dem Schriesheim traditionsgemäß einen Stand unterhält.

Am Dienstagabend folgt die große Jubiläumsfeier im Historischen Zehntkeller mit den Reden von Höfer, Chapon und Claudia Ebert, musikalisch umrahmt unter anderem vom Jungen Chor und vom Frauenchor des Liederkranzes – und dies bewusst: Denn dieser Verein war 2018 zu Besuch in der Partnerstadt.

Wichtig ist Höfer eine Botschaft: Die Jubiläumsfeier ist kein Festakt für Honoratioren und geladene Gäste, sondern für die gesamte Bevölkerung. Eingeladen sind daher alle Bürger bei freiem Eintritt – inklusive Kaltes Buffet, das die Stadt zu diesem schönen Anlass spendiert. Ihr letzter Besuchstag führt die Gäste wieder nach Heidelberg – zu einem Ausflug auf dem Neckar mit der „Weißen Flotte“. Den Abschluss bildet eine Weinprobe im Weingut Bielig, bevor es wieder nach Hause geht.

Vom 21. bis 25. August erfolgt der Gegenbesuch in Uzès – von Höfer und zahlreichen Schriesheimer Bürgern. Denn Claudia Ebert hat die traditionelle Jahresfahrt ihres Partnerschaftsvereins in diesen Zeitraum gelegt. Am 23. August findet der Festakt statt – zusammen mit der Feier zum 40. Jahrestag der Partnerschaft von Uzès mit der polnischen Stadt Paczków. „Ich habe das angeregt, um den gesamteuropäischen Gedanken zu unterstreichen“, betont Ebert: „Ein friedliches, vereinigtes Europa ist für mich Herzenssache.“

Am Tag nach dem Festakt in Uzès, am 24. August, steigen in ganz Frankreich die Feiern zum 75. Jahrestag der Befreiung von Paris. Welch prägnantere Symbolik für die Notwendigkeit der europäischen Idee kann es geben als die zeitliche Nähe dieser beiden Jahrestage.