Schriesheim

Schriesheim Bürger-Workshop in Altenbach zum Thema Nahversorgung / Löst ein Automaten-Laden mit Café das Dilemma?

Ziel: Einkauf und Begegnung

Archivartikel

In Altenbach soll die Infrastruktur wieder aufleben, und dazu gehört auch ein Laden zur Versorgung des täglichen Bedarfs, fordern die Bürger des Stadtteils. Im Sitzungssaal der Altenbacher Verwaltungsstelle trafen sie sich deshalb zu einem Workshop, der von Jutta Breitschwerd vom Institut kommunikatives Handeln moderiert wurde.

Das Interesse war zur Freude von Bürgermeister Hansjörg Höfer und Ortsvorsteher Herbert Kraus derart groß, dass es beinahe die Kapazität der Räumlichkeit sprengte. Ergebnis des Abends war, dass die Altenbacher nicht nur einen reinen Lebensmittelladen mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis wollen, sie wünschen sich eine Einkaufsmöglichkeit, gepaart mit Kommunikation und Begegnung. Aber wie realistisch ist das, nachdem das letzte Geschäft von Hermann Pröll ebenso schließen musste wie die letzte Speisegaststätte, das „Sonus“?

„Ich habe so ziemlich alles probiert, vom Eingehen auf spezielle Wünsche bis hin zum Bringservice und Tagesessen“, meldete sich Hermann Pröll selbst zu Wort. Dennoch musste er seinen Laden aufgeben. Ab 2005 sei der Umsatz rapide rückläufig gewesen.

In dasselbe Horn stieß die Inhaberin der letzten Altenbacher Bäckerei „Bernauer“. Sie berichtete, dass sie täglich körbeweise Brötchen wegwerfen müsse: „Wenn es so weitergeht, werde ich nächstes Jahr das Geschäft schließen.“ Und auch der Pächter des einzigen Kiosks berichtete, dass seine Waren des täglichen Bedarfs nicht angenommen würden. „Wenn die Altenbacher die Angebote nicht annehmen, dann wird es dem neuen Laden ebenso gehen“, waren ihre Prophezeiungen. Erwähnt wurde ebenfalls, dass der Edeka Markt in Wilhemsfeld kurz vor der Schließung stehe. „Wenn die Bevölkerung nicht dahinter steht, funktioniert kein Modell“, gab der Ortsvorsteher zu bedenken.

Mit dem festen Entschluss, es künftig besser zu machen, gingen die Bürger gruppenweise in die Findungsphase. Zuvor hatte die Moderatorin über einige gut funktionierender Modelle in Gemeinden mit ähnlichen Problemen informiert, darunter der Dorfladen mit Bäcker und Metzger oder auch den als Trägerverein genossenschaftlich geführten Markt.

In Gruppen wurden Ideen und Wünsche aus den Kategorien Automatenladen, Dorfladen, genossenschaftliches Konzept diskutiert. Eine Gruppe versuchte als „Freigeister“, weitere Alternativen zu erarbeiten. Im Anschluss wurden alle Vorschläge vorgetragen und zur Diskussion gestellt. Was dabei sofort auffiel: Alle Gruppen befürworteten eine Kombination von Laden und Begegnungsstätte/Café.

„Schnell umsetzbar“

Stadträtin Renate Hörisch-Helligrath nannte den Automatenladen eine realistische Lösung, die schnell realisierbar sei. Sie plädierte dafür, diesen mit einem Treffpunkt zu kombinieren. Auch Stadtrat Karl Reidinger sprach sich für eine Kombination mit einem Café aus. Dieses Modell wurde auch von Ortsvorsteher Herbert Kraus favorisiert: „Das ist das einzige realistische und schnell umsetzbare Modell mit wenig Manpower und anwenderfreundlich.“ Als möglicher Standort sei der ehemalige Tanzsaal im Löwen in der Kirchstraße denkbar. Um Vandalismus vorzubeugen, plädiere er für eine Öffnungszeit zwischen 8 und 22 Uhr.

Die alternative Gruppe schlug die Gründung eines Stammtisches vor, bei dem verschiedene Perspektiven erarbeitet werden. Ein weiterer Vorschlag war, in einem Begegnungszentrum ein Bestellterminal einzurichten. Dort könnten dann auch die bestellten Lieferungen abgeholt werden. Denkbar sei dabei eine Kooperation mit den Geschäften der Kernstadt.

Eine weitere Gruppe setzte sich mit der Gründung eines genossenschaftlichen Dorfladens mit integriertem Café auseinander. Angeboten werden sollten nur regionale und frische Lebensmittel – bei attraktiven Öffnungszeiten. Als Ort schlugen sie den Hühnerstall – ein kommunales Grundstück oberhalb der evangelischen Kirche – die Volksbank oder auch die Wäscherei vor.

Diskutiert wurde auch das Modell eines mobilen Tante-Emma-Ladens, ein Sozial-Kaufhaus oder eine „Liefer App“. „Alle Vorschläge haben eines gemeinsam: der Wunsch nach mehr Gemeinschaft und mehr sozialem Miteinander“, fasste Bürgermeister Höfer den Workshop zusammen.