Schriesheim

Schriesheim Veranstaltung der Grünen zum Thema „Plastikflut“

Zu viel Müll durch Einweg-Becher

„Der Aal hat keine Wahl, der Butt geht kaputt, der Barsch ist am A…“ –ein Gedicht über Mikroplastik dürfte in diesem Kommunalwahlkampf in Schriesheim wohl doch ein Novum sein. Möglich, dass die Grünen vor Ort damit ihrem Wahlkampf-Motto „Wir alle machen den Unterschied“ gerecht werden wollen.

Bevor der Abend im Zehntkeller beginnt, stellt Fraktionssprecher Christian Wolf deshalb die „Plastikfrauen“ vor. Dagmar Wenger (Platz sechs der Kandidatenliste), Karin Richter (15), Margrit Liedloff (16) und Ersatzkandidatin Angelika Neckermann tragen die Reime zu Beginn der Veranstaltung vor, die sich um Plastikmüll und seine Vermeidung drehen: Es geht um die winzigen Partikel in Kosmetika, die ausgeschrieben Polyethylen, Polyacrylat oder Nylon heißen. Gelangen sie in die Natur, würden sie dort dauerhaften Schaden anrichten und sich in Algen oder Krill anlagern, die wiederum von Fischen gefressen werden: Am Ende des Kreislaufs lande das Plastik wieder beim Verbraucher auf dem Teller.

Bevor Umweltreferent Benedikt Kauertz vom Heidelberger ifeu-Institut zu seinem Vortrag ansetzt, gibt es noch einen Kurzfilm sowie einen Beitrag von Liedloff zum Besuch der Sinsheimer AVR-Sortieranlage. Auch Verhaltensregeln geben die Grünen den Besuchern mit: Kompostierbare Tüten sollten nicht im Biomüll landen: „Sie zerfallen zwar, aber das dauert sehr lange.“ Besser sei Zeitungspapier. Textilien dürften nicht in die grüne Tonne, Joghurtbecher sollen nicht in einander gestapelt werden, außerdem seien die Arbeiter am Band dankbar, wenn die Alu-Deckel vor dem Wegwerfen abgetrennt werden.

Kauertz arbeitet die Problematik wissenschaftlich auf: Zwischen Wohlstand und Müll-Aufkommen gebe es einen direkten Zusammenhang. Länder-Vergleiche zeigten auf, dass höhere Lebensmittelkosten mit mehr Packungen einhergehen . „Im Tschad“, so erklärt Kauertz, „geht es in erster Linie darum, die Lebensmittel vom Geschäft nach Hause zu bringen.“

Alternativen suchen

Hierzulande sei der Müllberg seit 2000 um 17 Prozent gewachsen, obgleich die Menschen Weltmeister im Recycling seien. Durch den Versandhandel fielen mehr Verpackungen aus Pappe an, oftmals sei bei Flaschen das Glas durch Plastik ersetzt worden. Apropos Ersetzen: Nach dem Verbot von Plastikstrohhalmen sei die Idee aufgekommen, sie durch Nudeln zu ersetzen. Doch Kauertz schüttelt den Kopf: „Wir ändern nichts, wenn wir die eine unsinnige Nutzung durch eine andere, vielleicht genauso unsinnige ersetzen.“ Beide landen im Restmüll, beide werden verbrannt.

In der Fragerunde geht es um Packungen aus Graspapier, Becher aus Maisstärke oder die Abfüllanlagen für Weinflaschen. Und schließlich auch um Einweg-Kaffeebecher: 2,8 Milliarden Stück würden hierzulande jährlich weggeworfen: „Das sind 34 pro Nase.“ Das sei zwar im Vergleich zum pazifischen Müll-Strudel, für den zum größten Teil China verantwortlich sei, kein „superrelevantes Handlungsfeld“. Aber, da sind sich alle Anwesenden doch einig, „eine Nonsens-Anwendung mit nur wenigen Sekunden Nutzungsdauer“.