Schriesheim

Schriesheim Vogelwelt und Fledermäuse bedroht / Marcel Münderle und Andreas Arnold referieren

Zwei Biologen raten von Windkraft ab

Archivartikel

Werden Gutachten, die der Windkraftlobby nicht in den Kram passen, einfach unter den Tisch gekehrt? Werden Gesetze, die eigentlich die Umwelt und die bedrohte Fauna und Flora schützen sollen, aus Profitgier ausgehebelt? Dieser Eindruck entsteht, wenn man die Vorträge zweier hoch qualifizierter Biologen hört. Marcel Münderle und Andreas Arnold waren auf Einladung der FDP jetzt zu Gast in Schriesheim.

Münderle hat die Population der im vorderen Odenwald lebenden und brütenden Vogelwelt untersucht, Arnold ist Experte für Fledermauserfassung. Die Ergebnisse ihrer Studien in den für Windkraftanlagen ausgewiesenen Standorte haben sie dem Regierungspräsidium vorgelegt. Welche katastrophalen und dramatischen Auswirkungen die Anlagen auf viele geschützte Pflanzen und Tiere haben, darüber referierten beide. In seinen einführenden Worten bemerkte Michael Riffel, Geschäftsführer des in Hirschberg ansässigen wissenschaftlichen Beratungsunternehmens "Rifcon", etwas sarkastisch, dass einige Gutachten nach dem Motto entstünden: "Wessen Brot du isst, dessen Lied du singst."

Wenn in einem Baugebiet seltene Tierarten gefunden würden, so werde das Bauvorhaben gestoppt. Als ein gutes Beispiel nannte er den Juchtenkäfer, der Stuttgart 21 zum kurzen Erliegen brachte. Würde man die auf der Ursenbacher Höhe lebenden und brütenden über 70 Vogel und Fledermausarten mit den Juchtenkäfern vergleichen, so würde das "vier mal Juchtenkäfer" ergeben, sagte Riffel.

Welche Konsequenzen die Windkraft im vorderen Odenwald hätte, malte der Vogelkundler Marcel Münderle in düsteren und erdrückenden Farben. Gerade die artenreiche Hangkante um Rippenweier und Ursenbach hätten die Windkraftlobbyisten ins Auge gefasst. Hier lebten viele Spechtarten, Siebenschläfer, Waldkauze, Haselmäuse, Greifvogelarten und Höhlenbrüter. Auch Uhus brüteten gerne an der Bergstraße, und sogar drei Brutpaare der seltenen Pirole habe man gezählt. Würden sich auf der Höhe die übermächtigen Rotoren der Windräder drehen, wäre dies auch das Todesurteil für diese streng geschützten Rotmilane.

Noch dramatischer sieht es für die ebenfalls geschützten Fledermausarten aus, von denen Andreas Arnold gleich vier äußerst seltene Arten dokumentieren konnte, die Bechsteinfledermaus, das große Mausohr, die Mops- und die Wimperfledermaus. Fledermäuse gelten als die besten Insektenvertilger. Rund 600 Tonnen Insekten und 120 Millionen Mücken wandern pro Jahr in ihre Mägen. "Das reduziert ganz gewaltig den Pestizideinsatz", rechnete er vor. greg