Seckenheim

Seckenheim Bezirksbeirat verwirft mit breiter Mehrheit Vorschlag der Verwaltung für künftige Standorte von SV und TSG

Abfuhr für Sportstättenkonzept

Archivartikel

Das Sportstättenkonzept der Mannheimer Verwaltung für den Stadtteil Seckenheim hat bereits die erste Stufe der kommunalpolitischen Diskussion nicht überstanden: Mit Drei-Viertel-Mehrheit bei zwei Enthaltungen lehnte der Bezirksbeirat des Vorortes die Vorlage der Verwaltung ab. Diese sah eine Übernahme der Bezirkssportanlage durch den SV und die Ansiedlung der TSG auf dem Klettengewann vor.

Grund für die Ablehnung durch das Gremium ist vor allem der Plan zur Ansiedlung der TSG auf dem Klettengewann, die Christian Konowalczyk vom Fachbereich Stadtplanung zuvor engagiert verteidigt. Alternativen seien nicht gegeben: Die Stem-Barracks entlang der Autobahn seien nicht im Besitz der Stadt, der Riedweg ökologisch nicht vertretbar: „Dieser Standort widerspricht dem Flächennutzungsplan.“

Chance für zeitnahe Umsetzung

Auf die zeitliche Perspektive verweist Uwe Kaliske, Leiter des Fachbereichs Sport und Freizeit: „Auf der Stem-Kaserne wird es fünf bis zehn Jahre dauern, bis sie genutzt werden kann, im Klettengewann wird man dagegen bereits in wenigen Jahren Sport treiben können“, argumentiert er: „Nach zehn Jahren Diskussion besteht jetzt eine realistische Chance, ein Sportstättenkonzept für Seckenheim umzusetzen“, appelliert er an den Bezirksbeirat: „Eine gemeinsame Lösung für SV und TSG ist nicht mehr realistisch.“

„Das Klettengewann wird von uns vollständig abgelehnt“, erklärt für die CDU deren Sprecherin Adelgunde Freisinger. Sie plädiert für die Stem-Barracks oder das Gelände am Riedweg. „Dort sind ja schon Vereine vorhanden“, ergänzt ihr Fraktionskollege Jochen Güniker. Und auf den „Stem“ könnten die geplanten Sporthallen entlang der Autobahn sogar als Lärmriegel für die dahinter geplante Wohnbebauung dienen.

Auch SPD-Sprecherin Evi Korta-Petry sieht am Klettengewann große Probleme: „Die Anwohner werden sich gegen die Lärmbelästigung wehren.“ Daran sei ja schon die Ansiedlung eines Supermarktes gescheitert. „Der Ärger ist vorprogrammiert“, so Hermann Krauß (CDU).

„Ihre Planung ist naiv“, lautet das Urteil von Stadtrat Holger Schmid. „Das Klettengewann ist keine Lösung. Die TSG wäre schlecht beraten, wenn sie hier zugreifen würde.“ Als Alternative sieht auch er die Stem-Kaserne für eine „kleine Lösung“ oder den Riedweg für die „große Lösung“ von SV und TSG gemeinsam. Wenn der SV die Bezirkssportanlage nicht benötigt, könnte diese renaturiert werden – quasi im Tausch gegen die Genehmigung des Nachbarschaftsverbandes für die Nutzung des Riedwegs für den Sport.

„Vielen Dank für Ihre Planung, aber das war nichts“, ruft auch Stadträtin Marianne Seitz dem Sportamtschef Kaliske entgegen. Sie plädiert für eine gemeinsame Lösung am Riedweg. „Sicher wird auch diese nicht einfach“, bekennt sie und zitiert einen Song von Xavier Naidoo: „Dieser Weg wird kein leichter sein.“

Aufruf zur Gemeinsamkeit

Auch Andreas Hänssler, der Chef der TSG, sieht viele Probleme im Klettengewann, auf dem sich laut Stadt sein Verein ansiedeln soll: „Es gibt alleine 18 Grundstücksbesitzer, die bereit sein müssen, zu verkaufen, damit das Projekt realisiert werden kann.“ Stattdessen spricht er sich für eine enge Zusammenarbeit von TSG und SV aus: „In zehn Jahren wird keiner mehr wissen, warum es in Seckenheim zwei Sportvereine gibt.“

Stadtrat Ralph Waibel, zugleich Chef des SV, zeigt sich verwundert über den Verlauf der Diskussion dieses Abends. „Ich ging davon aus, Grundlage für die Suche nach Lösungen ist, dass es ein dezentrales Sportstättenkonzept geben soll.“ Für den SV erklärt er sich einverstanden mit dem ihn betreffenden Teil des Konzeptes: Aufgabe der Otto-Bauder-Anlage für Wohnungsbau und im Gegenzug Übernahme der Bezirkssportanlage. „Und natürlich verstehen wir die Sorge der Anwohner im Hunsrück vor einer möglichen stärkeren Verkehrsbelastung.“

Hunsrück-Anwohner warnen

Damit fällt das Stichwort. „Hat man sich denn überlegt, wie die Zu- und Abfahrt der Bezirkssportanlage sein soll, wenn sie künftig stärker genutzt wird?“, fragt Hunsrück-Anwohner Berthold Arnold: „Sie wird so sein wie in den 60 Jahren zuvor“, antwortet Uwe Kaliske. Möglich sei der Bau eines Parkplatzes am Badener Platz.

„Setzt kein Sportgelände neben ein Wohngebiet!“, warnt Werner Bordne, 20 Jahre Bezirksbeirat, vor dem Standort Klettengewann: „So etwas behindert sowohl das Wohngebiet als auch das Sportgelände in ihren Ausdehnungsmöglichkeiten.“

Das Gremium sieht es ebenso: Mit Ausnahme von Evi Korta-Petri (SPD) und dem parteilosen Stefan Sachse, die sich der Stimme enthalten, lehnt der Bezirksbeirat das vorgelegte Konzept der Stadt ab. Im November berät der Sportausschuss, am 4. Dezember der Gemeinderat.