Seckenheim

Seckenheim Heiner Knorr kennt die Entwicklung des lokalen Gesundheitswesens / Ärzte und Gasthäuser

Alte Apotheke und erste Hebamme ab 1689

Archivartikel

Die letzte Pest wütete in Seckenheim, wie in der ganzen Pfalz, im Sommer und Herbst 1666. Etwa ein Viertel der rund 250 Einwohner von Seckenheims starb, obwohl hier die Wasserversorgung hygienisch und sicher war. Heiner Knorr hat sich intensiv mit der geschichte befasst und darüber auch kürzlich beim Verein Historisches Seckenheim berichtet.

Für das Trinkwasser hatte man gemauerte Brunnen. Nach dem Ortsplan von 1778 gab es in Seckenheim rund 50 davon. Das Ab- und Regenwasser wurde in den Neckar geleitet, die Notdurft erledigte man, wie seit 1550 belegt, am „Puhlloch“, das ausgemauert war, um das Versickern des Düngers zu verhüten und das Grundwasser zu schützen.

Dennoch traten im 18. Jahrhundert Ruhr, Typhus, Cholera und TBC auf. Viele Säuglinge und Kinder starben, auch das Kindbettfieber kostete etlichen Frauen das Leben. Die erste Hebamme gibt es in Seckenheim ab 1689, Arzt und „Chirurgi“ sind im 18. Jahrhundert bezeugt. Die Situation verbesserte sich, die Bevölkerung wuchs. Erste Namen von Ortsärzten sind bekannt, Dr. Hermann oder der auf Gemeindekosten ausgebildete Tierarzt Joseph Bechthold.

Aber noch Mitte des 19. Jahrhunderts waren von rund 50 Verstorbenen pro Jahr etwa 20 Kinder unter sieben. Zwischen 1848 und 1855 wirkte Dr. Weiß als Wund- und Hebarzt, Nachfolger waren Dr. Arnold 1867 und Dr. Spuhany bis 1872. Dr. Berberich praktizierte von 1872 bis 1898 und bekam von der Gemeinde erst 400 Mark, dann 700 Mark als Armenarzt. Die erste Erwähnung einer Apotheke stammt von 1845. Bis 1918 befand sich in Seckenheim am Neckarzugang in der heutigen Kehler Straße eine von nur zwei Apotheken zwischen Mannheim und Heidelberg.

Schon im 18. Jahrhundert gab es im Hunsrück ein gemeindeeigenes Pflege- und Siechenhaus. Die Pflege übernahmen die Schwestern der konfessionellen Krankenpflegevereine, die schon seit 1875 für die häusliche Krankenpflege sorgten. 1907 wurde das alte evangelische Schulhaus in der Kloppenheimer Straße in ein Belegkrankenhaus umgewandelt, 1930 geschlossen und in den 1960er Jahre abgerissen. Hier befindet sich heute ein Bolzplatz.

Zum 20. Jahrhundert wurde vom Ortsarzt zum System der freien Praxis gewechselt. Dr. Bruch hatte sich 1909 im Gasthof „Zur Krone“ eingemietet, Dr. Landfried praktizierte von 1899 bis 1917 im Nebengebäude des „Zähringer Hofes“, Dr. Eggemann dort danach bis 1956. 1911 eröffnete als erster Zahnarzt Dr. Rühle im „Kaiserhof“ seine Praxis.

Bis 1949 gab es drei praktische Ärzte in Seckenheim, danach kamen, auch wegen der zentralen Verkehrslage, immer mehr Mediziner hinzu. Heute praktizieren Kinderärzte, Hals-Nasen-Ohrenärzte, Hautärzte, Frauenärzte, Urologen, Radiologe, Zahnärzte, Chirurgen, Ärzte für Allgemeinmedizin, Augenärzte, Orthopäden, Schmerztherapeuten, Psychiater, Neurologen sowie Heilpraktiker, Logopäden, Ergotherapeuten, Krankengymnasten neben Masseuren und medizinischen Bademeistern in Seckenheim.

Einflüsse der bereits entwickelten arabischen Medizin kamen übrigens erst ab dem 13. Jahrhundert über Spanien und die Mauren nach Mittel- und Westeuropa. Bis dahin wurde lediglich klösterliche Heilkräuterkunde betrieben, die Landbevölkerung war lange auf sich gestellt.