Seckenheim

Nahverkehr Neue Buslinie sorgt für Wirbel / Am Jahresende verzichtet die RNV auf künftige Fahrten durch die Rastatter Straße

Anwohner erzielen einen Teilerfolg

Archivartikel

„Für uns ein erfreulicher Tagesordnungspunkt“, meint Felix Dmochowski von der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft noch Ende 2017. Ein Jahr danach kann davon keine Rede sein: Die im Juni 2018 eingeführten neuen Buslinien bringen der RNV jede Menge Ärger und zwingen sie gar teilweise zum Zurückrudern.

Dabei ist alles so schön gedacht: „Mehr Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit“ will die RNV bieten, die Ortsränder besser anbinden, vor allem das Gebiet bei den Hammonds und den Heckweg, mit günstigerem Takt.

Von Anfang an ein Knackpunkt: die Führung der Linie 43 durch die enge Rastatter und die Messkircher Straße. „Ich glaube, Sie nehmen die Probleme in der Rastatter Straße zu leicht“, warnt Stadtrat Holger Schmid (Mannheimer Liste) bereits in der Bezirksbeiratssitzung vom 7. Februar: „Das ist hochproblematisch. Das wird nicht funktionieren.“

Gleichwohl wird ab 11. Juni so verfahren – nur die Rastatter Straße bleibt wegen des Krans zunächst außen vor. In der Messkircher Straße jedoch kommt es zu den befürchteten Zuständen – und zum Ärger der Anwohner, der sich auf einer Versammlung der CDU am 18. Juli Bahn bricht. „Durch unsere enge Straße werden täglich 86 Busse gejagt“, klagt eine Anwohnerin: „Alle zehn Minuten, vom frühen Morgen bis in die Nacht.“ „Wir können nur noch von halb zwei bis halb fünf schlafen, drei Stunden“, klagt ein anderer.

Noch an diesem Abend schließen sich die Betroffenen kurz, verabreden die Gründung einer Bürgerinitiative mit dem etwas sperrigen Namen „Aktionsbündnis Bürgerorientierter Öffentlicher Personennahverkehr“ (ABÖ). Ihre Sprecher Dirk Eiermann und Ralf Kittel analysieren Missstände, erarbeiten Verbesserungsvorschläge, verfassen Schriftsätze. Beim Ortstermin von Oberbürgermeister Peter Kurz am 25. Juli kommt es zum Knatsch. „Wir haben nichts grundsätzlich gegen Nahverkehr“, betont Eiermann: „ . . Ja, ja, das sagt jeder“, unterbricht der OB.

Schwierige Situation

Doch gegen die Zustände ist schwer zu argumentieren: Busse, die auf Grund der Enge der Straße über den Gehweg fahren müssen, die sprichwörtliche Handbreite an Fenstern vorbei. 19 Tonnen schwer in einer Straße, in der bislang Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen nicht erlaubt sind. Riesige Dieselbusse statt der von der RNV versprochenen Midibusse, von Elektroantrieb ganz zu schweigen.

Dem kann sich die Politik nicht entziehen: Am 26. September fordert der Bezirksbeirat, auf die Fahrt durch die Rastatter Straße zu verzichten. Der Protest ist erfolgreich. Am 17. Dezember teilt die RNV mit: Wie von Bezirksbeirat und ABÖ gefordert, „wird die enge Rastatter Straße zwischen Hauptstraße und Zähringer Straße auch zukünftig nicht von Buslinien befahren.“ -tin