Seckenheim

Armutszeugnis für Mannheim

Archivartikel

Konstantin Groß zur Absage der Gedenkfeiern

Nächsten Sonntag wird überall in Deutschland, sogar in der kleinsten Gemeinde, mit dem Volkstrauertag der Opfer der beiden Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedacht – außer in den Mannheimer Stadtteilen Seckenheim und Friedrichsfeld. Und dies zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten und einmalig in der Region. Doch das ist alles andere als ein Alleinstellungsmerkmal, um dieses Modewort zu benutzen. Es ist ein Armutszeugnis für Mannheim.

Denn man muss sich vergegenwärtigen, was der Volkstrauertag ist. Wer denkt, hier handle es sich um eine Art Heldengedenktag alter Kriegskameraden, der hat noch an keiner solchen Veranstaltung teilgenommen.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war der Volkstrauertag dies in der Tat. Doch in den zurückliegenden Jahren hat er sich gewandelt, hin zu einem Gedenken für die Kriegsopfer auch im von Deutschland überfallenen Europa, an die Opfer des Holocaust, an die ermordeten Behinderten und Homosexuellen. Gerade in der heutigen Zeit, in der relevante politische Kräfte eine „180-Grad-Wende“ in der Erinnerungskultur fordern, ist ein solcher Tag wichtiger denn je.

Und wie reagiert die Stadt Mannheim? Sie untersagt ihren Vorortverwaltungen, sich weiter an der Organisation zu beteiligen – als Teil eines Sparprogramms, für das sie das Wortmonstrum „Strategische Haushaltskonsolidierung Mannheim“ ersonnen hat. Man würde gerne erfahren, wie viele Tausend Euro durch den Wegfall von Telefonanrufen der Bürgerdienstleitung und anderer ihrer Organisationsleistungen im Etat der Großstadt Mannheim eingespart wurden.

Dass die Dachvereine nicht den Ausputzer machen wollen, ist nachvollziehbar. Schon heute kümmern sie sich um Dinge, die in Umlandgemeinden von der Kommune erledigt werden, etwa die Weihnachtsbeleuchtung. Vielleicht finden sie dennoch einen Weg, die Traditionsveranstaltung im nächsten Jahr wieder zu beleben. Sie hätte es verdient.

 
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