Seckenheim

Seckenheim Die langjährige Chorleiterin und Organistin Lucia Lewczuk über die speziellen Probleme der Kirchenmusik in Corona-Zeiten

Auch beim Kyrie muss die Gemeinde still bleiben

Archivartikel

Sonntags sorgt Lucia Lewczuk für die musikalische Umrahmung der Gottesdienste im Horst-Schroff-Seniorenpflegezentrum. Hautnah erlebt die studierte Kirchenmusikerin dabei, was Corona speziell für diese Musikform bedeutet: „Im Kyrie darf die Gemeinde nicht antworten“, berichtet die in Seckenheim wohnende langjährige Chorleiterin: „Das muss ich dann auch mitmachen.“

Die Kirchenmusik, nicht nur im Seniorenzentrum, sondern auch in Gottesdiensten und bei Beerdigungen, ist der Bereich, in dem sich Lucia Lewczuk nach wie vor musikalisch engagiert. Denn Chöre leitet sie keine mehr, was aber nichts mit Corona zu tun hat: „Vor zwei Jahren, als ich mein 50. Dirigenten-Jubiläum feiern konnte, habe ich alle Chöre abgegeben“, berichtet sie und fügt schmunzelnd hinzu: „Das war vielleicht ein Fingerzeig von ganz oben.“

„Nicht alle Chöre überleben“

Denn ihr damaliges Engagement wäre unter Corona-Zeiten natürlich nicht fortführbar. Allen voran die Leitung des Seniorenchors der Stadt Ludwigshafen. In dieser Alters- und daher Risikogruppe wären Präsenzproben undenkbar. Und wohl auch das Üben auf digitalem Wege.

Und so macht sich die erfahrene Dirigentin durchaus Sorgen um den Fortbestand vieler Laienchöre: „Die jetzige Krise werden nicht alle überleben“, befürchtet sie im Hinblick auch auf ihre früheren Vereine, etwa in der Pfalz: „Einer ist schon weg“, berichtet sie. „Und was waren das mal für mächtige Chöre!“ erinnert sie sich: „Bei Auftritten standen damals 40 Personen auf der Bühne.“

Zugleich kann sie mit ihren Dirigenten-Kollegen fühlen, was diese jetzt durchmachen – die Jungen, die ohne Beschäftigung sind, und die Älteren wie Volker Schneider, die sich schweren Herzens entschließen, auch nach Corona nicht mehr neu anzufangen (wir berichteten): „Alle, die wie er jetzt aufhören, können nach den vielen Jahren keine richtige Verabschiedung mit einem großen Abschiedskonzert bekommen, wie ich sie noch haben durfte.“

Seither engagiert sich Lewczuk in ihrem Heimatort Seckenheim in der Kirchenmusik. „Sonntags spiele ich im Horst-Schroff-Zentrum“, berichtet sie: „Das sind wunderbare Gottesdienste.“ Allerdings darf die Gemeinde selbst nicht singen. Gleiches gilt bei Gottesdiensten in der Kirche, die Lucia Lewczuk zuweilen ebenfalls an der Orgel begleitet, oder bei Trauerfeiern, deren Zugang ja ebenfalls streng beschränkt ist.

Betroffen sind aber auch die Feiern von Kommunion und Konfirmation, die im Frühjahr hatten ausfallen müssen. Einige von ihnen werden derzeit nachgeholt, allerdings unter strengen Hygienebestimmungen – mit Masken, weit auseinander sitzend. „Meine Kinder haben an fünf Sonntagen hintereinander gespielt“, berichtet Lucia Lewczuk von Adrian, Raphael und Patricia. Die Drei sind nämlich in die Fußstapfen ihrer Mutter als Musiker und teilweise auch als Chorleiter getreten. Insofern ist Lewczuk trotz allem überzeugt: „Mit dem Chorgesang wird es irgendwie wieder weitergehen.“

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