Seckenheim

Seckenheim Kurpfälzer Kammerorchester, Solisten und Singkreis überzeugen mit Aufführung

Bach-Passion führt zu Osterfest hin

Diese Veranstaltung am Palmsonntag hat Tradition. In der gut besuchten Pfarrkirche St. Aegidius in Seckenheim ist diesmal Musik von Johann Sebastian Bach zu hören. Begleitet werden das Solisten-Quintett und der Seckenheimer Singkreis vom Kurpfälzischen Kammerorchester. Während die Solo-Partien Stefanie Dasch (Sopran), Anne Greiling (Alt), Markus Zeitler (Evangelist und Tenor-Arien), Florian Schmitt-Bohn (Pilatus und Bass-Arien) sowie Hugo Steegmüller (Bass und Jesus-Worte) beitragen, hat die Gesamtleitung Wolfram Sauer inne.

Die Johannes-Passion, neben der Matthäus-Passion einzig vollständig erhaltenes Passionswerk Bachs, wurde am Karfreitag, 7. April 1724, in der Leipziger Nikolaikirche unter Bachs Leitung uraufgeführt. Gegenstand des Werks für vierstimmigem Chor, Gesangssolisten und Orchester ist die Leidensgeschichte Christi nach Johannes, wobei Bach nicht nur den Bibeltext vertont, sondern ergänzende Texte einsetzt.

Während einerseits in den Chorälen dem Singkreis eine eher betrachtende Rolle zugeteilt ist, stellt der Chor andererseits jene Menschen dar, die am Geschehen unmittelbar beteiligt sind. Der kolossale Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ und der abschließende Choral „Ach Herr, lass dein lieb‘ Engelein“ gehören zu den berühmtesten Chorsätzen aus dem von Bach interpretierten Passionsgeschehen. Und so will die aus der katholischen Jugend entstandene Formation in Kooperation mit den präzise aufspielenden Musikern des Kurpfälzischen Kammerorchesters, gerade in den Arien und Chorälen den Zuhörer berühren und mit Fragen zur Heilsgeschichte Christi konfrontieren, was beeindruckend gelingt.

Großartig der Choral „Ach großer König“, der Bezug zum Eingangschor nimmt. Schließlich sind Gefangennahme wie Verhandlung, darin der spannende Dialog mit Pilatus wie die lebhafte Diskussion mit dem Volk(Chor), und endlich die Kreuzigung Heilserfordernis. Ohne Frage, es gelingt Singkreis, Solisten und Orchester der Bachschen Musik und Intention gerecht zu werden und Zugänge herzustellen. Dem Thomaskantor ist die Herrlichkeit Gottes wichtig. Sie erschöpft sich eben nicht im Leiden Christi am Kreuz oder in der Aussage „Es ist vollbracht“, sie führt in der fragenden Botschaft „Ist alle Welt Erlösung da?“ auf die Antwort Ostern hin. Brillant hier sowohl Arie wie Chor bei „Mein teurer Heiland, lass dich fragen“, mündend in die freudig verheißende Bitte „Alsdann vom Tod erwecke mich“ im Schlusschoral.

Nach einem angemessenen Moment der Stille setzt anschwellender lange anhaltender Beifall ein, der den ganzen weiten Raum der einst neobarocken Kirche füllt und den das gesamte Ensemble mit großer Genugtuung und verdient entgegennehmen darf. Für alle Besucher ist der Heimweg ein Weg hin auf Ostern.