Seckenheim

Seckenheim Proteste im Inneren Heckweg / Stadträte Seitz und Waibel fordern Verlegung der Haltestelle

Busse der neuen Linie 43 stinken Anwohnern gewaltig

Die neue RNV-Buslinie 43 im Mannheimer Stadtteil Seckenheim stößt auf ein geteiltes Echo. Während sich die Fahrgäste über einen dichteren Takt und Fahrten schon am frühen Morgen und bis spät in die Nacht freuen können, klagen Anwohner der Strecke über zusätzlichen Lärm und Abgase.

Besonders hart trifft es die Bewohner des Hauses Innerer Heckweg 24. „Man hat uns die Haltestelle direkt vor die Haustür gesetzt“, klagt Ulla Krause. Auf eine entsprechende Beschwerde hat die Rhein-Neckar Verkehr GmbH (RNV) zwar umgehend reagiert und die Haltestelle um 15 Meter verlegt, doch zufrieden ist Krause damit immer noch nicht: „Jetzt haben wir den hinteren Teil vom Bus genau vor Balkonen und Schlafzimmern.“ Motorgeräusche, die automatisch öffnenden und schließenden Türen, Dieselruß und Gestank belasten die Anwohner.

Auch Saara Morsch gehört zu den Leidtragenden. Sie wohnt in einer kleinen Wohnung im Erdgeschoss, die sie sich vor knapp einem Jahr gekauft hat. Bislang fuhr der Bus der alten Linie 41 immer nur mit etlichen Metern Abstand an ihrer Miniterrasse vorbei, durch einen Parkplatz und Bäume getrennt. Jetzt rollen die schweren Fahrzeuge einen Meter hinter der Hecke vorbei, die ihren Rückzugsbereich im Freien abschirmt.

Doch nicht nur das. „Die Leute stehen hier und warten auf den Bus“, nennt sie ein weiteres Problem. An ein ungestörtes Sitzen unter freiem Himmel sei da nicht zu denken: „Ich muss sogar die Jalousien herunterlassen, um mich vor neugierigen Blicken zu schützen.“ Mit großen Kübelpflanzen und einem Sichtschutz aus Weidenzweigen schirmt sie ihre wenigen Quadratmeter ab. Doch die Ruhe von früher ist dahin.

Stadträte zeigen Verständnis

Sorgen, die auch CDU-Stadträtin Marianne Seitz teilt. Bei einer Ortsbegehung mit den Bürgern zeigt sie Verständnis für deren Nöte, lässt aber keinen Zweifel daran, dass sie das neue Busangebot an sich für positiv hält. Das Problem sei die Vielzahl und die Größe der Busse, vor allem aber der Standort der Haltestelle. Wie die Anwohner würde es auch Seitz gerne sehen, wenn die Fahrgäste rund 50 Meter weiter in Richtung Suebenheimer Allee ein- und aussteigen. Dann könnte die RNV auch gleich ein ordentliches Wartehäuschen aufstellen: „Noch lässt das Unternehmen die Seckenheimer buchstäblich im Regen stehen.“

Auch in Sachen Verkehr gibt es eine Art Große Koalition in Seckenheim, denn Ralph Waibel (SPD) sieht die Dinge ganz ähnlich. Er fordert kleinere Busse, am besten mit Strom betrieben, und eine Verlegung der Haltestelle. Falls für deren Neubau ein Baum gefällt werden müsse, werde man Geld für einen neuen sammeln, räumt er vorsorglich schon einmal ein mögliches Hindernis aus dem Weg.

Die Haltestelle im Inneren Heckweg ist für Waibel allerdings nicht das einzige Problem. „Wir müssen die Linienführung insgesamt überprüfen“, betont er. Als Beispiel nennt er den Ein- und Ausstieg in der Badener Straße. Wo die Busse derzeit nur wegen einer Baustelle halten, wären sie auf Dauer besser aufgehoben, findet er. „Es gibt da einige Schwachstellen“, sagt der Stadtrat und kündigt an, das Thema werde noch einmal im Bezirksbeirat erörtert. Dort lagen zwar auch die jetzt umgesetzten Pläne vor. „Aber da haben wir vielleicht nicht gründlich genug nachgeschaut“, räumt Waibel selbstkritisch ein.

Dass noch einmal nachgebessert wird, hofft auch Ingrid Böck, die im Inneren Heckweg 16 wohnt. „Wir brauchen keinen Bus, der von morgens halb fünf bis tief in die Nacht fährt“, findet sie. Denn was Frühaufsteher auf dem Weg zu Schule und Arbeit oder Nachtschwärmer auf dem Heimweg von der abendlichen Party freut, kostet sie ihre Nachtruhe. „Wir wehren uns nicht gegen die Buslinie“, versichert Ulla Krause, „wir wehren uns nur gegen den Radau und Gestank.“

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/seckenheim

Zum Thema