Seckenheim

Seckenheim Fehlender Parkraum, Ärger über Sperrmüll und eine neue Heimat für den Zabbe-Brunnen / Acht Bürger diskutieren

„De Brunne is halt Historie“

Archivartikel

Auf dem Platz vor dem Alten Rathaus Seckenheim schlendern Menschen gemütlich über den kleinen Markt. Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee liegt in der Luft, Kinder tanzen lachend zur Musik einer Liveband. Während an diesem Freitagmorgen noch schnell Obst, selbst gemachte Marmelade oder Käse gekauft wird, schnauft Evi Korta-Petry erst einmal auf. Die Sprecherin der SPD-Bezirksbeiräte hat gemeinsam mit ihrem Kollegen Giuseppe Randisi und SPD-Stadtrat Thorsten Riehle ein politisches Frühstück organisiert. Ein offenes Format, das so regelmäßig angeboten wird, dass Petry aufgehört habe zu zählen.

In einem kleinen Raum mit großen Fenstern nehmen alle am Tisch Platz. Acht Bürgerinnen und Bürger sind da – und haben viel zu sagen. Dieter Fedels Herzensangelegenheit: Der Zabbe-Brunnen. Seit Jahren lagere er im Betriebshof der Stadt Mannheim im Pfeifferswörth. Der Brunnen stand einst auf den Seckenheimer Planken, musste allerdings wegen der Umgestaltung der Hauptstraße weichen. Über einen neuen Standort werde immer wieder diskutiert – bislang ohne Ergebnis. „De Zabbe-Brunne“, sagt Fedel, „is halt Historie. Die Ur-Seckenheimer sind interessiert und kämpfen darum, dass der Brunnen eine neue Heimat kriegt.“ Sein Vorschlag: die Bänke so zu versetzen, dass man ihn auf den Platz vor dem Alten Rathaus platzieren kann. Als Denkmal.

Die nächste öffentliche Sitzung des Gemeinderats finde am 11. September statt. Riehle werde sich bemühen, mit anderen Parteien ins Gespräch zu kommen und bestenfalls auch einig zu werden. „Die SPD hat mit der Findung eines neuen Standorts große Sympathie.“ Möglicherweise könne auch der ursprüngliche Vorschlag wieder angeführt werden, betont Petry: den Brunnen auf den Badener Platz zu stellen.

Die Bezirksbeirätin macht sich Notizen, nebenher wird ein Korb mit Brötchen weitergereicht. Ein weiteres Thema, was die Seckenheimer bewegt: der Verkehr, gleich aus mehreren Gründen. Ein Bürger bemerkt, dass stillgelegte Haltestellen nicht entfernt werden und Autos verbotenerweise auf Zick-Zack-Linien parken. „Es passiert ja eh nix, denken die sich“, sagt er.

Ortskern entlasten

Generell fehle es in Seckenheim, wie in vielen anderen Stadtteilen, an wertvollem Parkraum. Petry erklärt, dass an der Kreuzung zwischen der Zähringer und Rastatter Straße ein Glascontainer versetzt wurde, damit die Busse um die Ecke fahren konnten – ein Stellplatz sei damit verloren gegangen. Nun wurde der Busverkehr allerdings eingestellt, ein Bürger fordert deshalb: „Der Container muss wieder zurück, auch wenn es sich um einen einzigen Parkplatz handelt.“ Denn, so ein anderer: „Einer ist einer mehr.“

Busse, so sind sich die Anwesenden einig, sollten sowieso nicht mehr durch die engen Seitenstraßen Seckenheims fahren. Nur noch in „Midiversion“, also als Acht- oder Zwölfsitzer, schlägt Riehle vor. Damit würde der Ortskern entlastet werden, und die „Millimeterarbeit“, die Busfahrer bewältigen müssen, würde aufhören. Große Busse könnten bei Fahrten zu Nachbarorten wie Ladenburg eingesetzt werden. „Drei Bussteige am Rathaus sind einfach zu viel“, merkt ein Bürger weiter an.

In der Zähringer Straße sollen ferner Fahrräder und nicht Autos Vorrang haben, wünscht sich jemand. Petry schlägt vor, dass im September eine Fahrradtour organisiert werden könnte, an der Interessierte und verantwortliche Politiker teilnehmen können – um „problematische Punkte abzufahren“ und sich die Straßen anzusehen, „wo es hakt.“

Brigitte Linharts erzählt, sie habe vor Kurzem versucht, Sperrmüll anzumelden. Die Stadt habe ihr mitgeteilt, dass die Müllfahrzeuge nicht in die engen Gassen des Seckenheimer Ortskerns fahren. „Die meinten, dass ich den Sperrmüll auf eine größere Straße bringen soll. Ich bin über 70 Jahre alt, wie bitte soll ich eine Couch schleppen und vor eine fremde Haustür stellen?“ Die Antwort der Stadt: Ein paar starke Männer aus der Nachbarschaft um Hilfe bitten.

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