Seckenheim

Seckenheim Beim traditionellen „Frotzelkommers“ zum Rosenmontag nehmen sich die Fasnachter auch gegenseitig auf die Schippe

Deftiger verbaler Schlagabtausch unter Narren

„Frotzeln“ – damit meint nicht nur der Duden „sich mit spöttischen Reden necken“. Über das Verhältnis zwischen der Stadt und Mannheims Vorortnarren gab es in diesem Sinne Einiges zu frotzeln. So etwa, dass Bürgerdienstleiter Stefan Frauenkron nicht führend in der Interessengemeinschaft der Vereine mitwirken darf, aus der Einladung zum Neujahrsempfang aussteigen muss und zum „Frotzelkommers“, dem traditionsreichen Zusammentreffen der Narren vom Unteren Neckar, nicht mehr in seine Diensträume einladen kann.

Doch Narren sind kreativ, und so trifft man sich jetzt eben im Horst-Schroff-Pflegezentrum des Caritasverbandes bei Dagmar Hinterberger. Mittlerweile fühlen sich die Narren hier offenbar auch schon daheim. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Fasnachter diesmal mehr aus sich herausgingen als in den letzten eher kuscheligen Jahren.

Das Zabbe-Combo-Trio mit Jürgen Wohlfart, Clemens Schlenkrich und Jürgen Zink sorgte mit dem Kurpfälzer Narrenmarsch und dem Song „Heut‘ feiern wir Fasnacht“ für den schwungvollen musikalischen Rahmen für die Karnevalisten.

Unter ihnen waren die Narrenhoheiten „Darline I. aus der Stadt der Engel“, vorgestellt von Kummetstolle Markus Schläfer aus Neckarhausen, „Asena I. vom orientalischen Meer“, begleitet von Ilvesheims Bürgermeister Andreas Metz, die KVI-Vorsitzende Sabine Grötzinger-Dambach samt Insulana-Sitzungspräsidentin Bianca Erbs, Friedrichsfelds Dauerprinzessin Denise samt „Schlabbdewel“-Sitzungspräsident Mathias Baier, „Verena I. und Marcel II. von Büro und Bühne“ aus Edingen mit Kälble-Präsident Stefan Specht und natürlich Seckenheims Jubelpaar „Angelina I. von Transport und Verkehr & Prinz Alexander II. von der Zabbe-Bar“, angeführt von Zabbe-Präsident Andreas Eder.

Der ergriff, durchaus selbstkritisch, nach der obligatorischen Begrüßung durch Stephan Frauenkron das Wort. Die Kälble hätten Ballkarten gekauft und dann die Zabbe versetzt. Andere auswärtige Narren hätten sich bei der Prunksitzung mehr mit Handys oder mit sich selbst befasst und seien sehr früh gegangen: „Auf einen Orden der Ilvesheimer Prinzessin warte ich noch immer.“

Viel Lob für Ilvesheimer Zug

Und so viel heiße Luft wie beim Friedrichsfelder Neujahrsempfang von Stadträtin Marianne Seitz habe er noch nie gehört, frotzelte Eder so perfekt gereimt, wie es wohl eben nur nach einer kurzen Nacht möglich ist. Eder griff auch lokalpolitische Themen auf – da fror den Bezirksbeiräten Evi Korta-Petry, Adelgunde Freisinger und Hermann Krauß das Lachen im Gesicht ein.

Dem Fasnachtszug in Ilvesheim stellten alle Karnevalisten gute Noten aus: Nur den Kommentar „Friedrichsfeld sei der A . . . der Welt“ hätte man sich getrost sparen können, zeigte Baier dem Mann am Ilvesheimer Mikrofon das Vögele.

Stefan Specht, der Andreas Eder eine Brille verleihen will, bestritt das Fehlen der Kälble in Seckenheim. Bianca Erbs hingegen lobte die Zabbe, die als Vorkoster beim eigenen Ball zuerst an die Nudeltöpfe schritten – natürlich nur, um Schaden von den Gästen fernzuhalten.

Schließlich verabschiedete sich Markus Schläfer mit einem Fässchen Bier nach zwölf Jahren Präsidentschaft aus der Runde: „Es werden sich auch ohne mich 2019 neue Peinlichkeiten ergeben, die man sich beim Frotzelkommers dann, humorvoll, aber adäquat artikuliert, um die Ohren hauen kann.“

Die Karnevalisten vom Unteren Neckar zeigten wieder einmal jede Menge Selbstironie, denken aber schon an die große Gemeinschaftssitzung im nächsten Jahr am 23. Februar. Die Freundschaft der hiesigen Narren braucht ja schließlich gemeinsame Ziele. Darauf gab es denn auch gleich mehrfach drei „In-Zabb-Schlabb-Ku-Kä“.