Seckenheim

Den Leuten stinkt‘s zu Recht

Archivartikel

Man weiß nicht mehr, ob man sich schief lachen, einfach nur den Kopf schütteln oder sich mit Unverständnis abwenden soll: Der 300 000 Euro teure Kiosk der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) steht nun schon ein halbes Jahr auf den Seckenheimer Planken; doch seine Toilettenanlage funktioniert immer noch nicht fehlerfrei.

Nach den Vorkommnissen am Flughafen Berlin und anderen Großbaustellen sind wir ja schon Einiges gewohnt, das uns an der heutigen Ingenieurszunft zweifeln lässt. Dass es aber in einem halben Jahr nicht gelingt, eine Klotür funktionsfähig zu machen, das ist wirklich der Gipfel. Zumal das WC in Seckenheim ja nicht das erste auf der Welt ist; öffentliche Toiletten sind doch Standard.

Aber offensichtlich hat man es hier mit den elektronischen Spielereien etwas übertrieben. Wenn die RNV auf Fehler beim Handling verweist, macht sie es sich zu einfach. Denn dann hätte sie an den Bedürfnissen ihrer Kunden vorbei geplant. Nutzer dieser Toilette sind ja vor allem ältere Menschen, die etwa an Blasenschwäche leiden. Sollen sie erst einen Computerkurs absolvieren, um aufs Klo gehen zu können? Man ist versucht zu sagen: Hätte man, wie früher üblich, einen mechanischen Riegel an der Tür installiert, wäre das alles nicht passiert.

Den Höhepunkt der Kuriosität markiert die Idee, sich jeweils zu zweit auf den Gang zur Toilette machen zu sollen, damit einer von beiden die Tür bewachen kann, während der andere auf dem stillen Örtchen Platz nimmt – das ist nun vollends Realsatire!

Doch ganz im Ernst: Die RNV muss aufpassen, dass sie keinen Imageschaden nimmt. Im Stadtteil Seckenheim hat ihr Ansehen nicht nur auf Grund dieser WC-Affäre bereits gelitten; hinzu kommt der grundsätzlich unbeliebte Kiosk sowie die ebenfalls kritisierten neuen Buslinien. Die RNV sollte daher alles tun, um diese unglaubliche Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.