Seckenheim

Seckenheim Befürworter des Brunnen-Standorts Planken melden sich zu Wort und kritisieren Bezirksbeiratsvotum für Hammonds

„Der Wille der Bürger wird nicht ernst genommen“

Archivartikel

Der künftige Standort des Zabbe-Brunnens sorgt in Seckenheim weiter für Aufregung. Nachdem der Bezirksbeirat in nicht-öffentlicher Sitzung noch einmal seinen ursprünglichen Beschluss bekräftigt hat, das Denkmal bei den ehemaligen Hammonds-Barracks aufzustellen, formiert sich dagegen Widerstand von mehreren bekannten Vertretern des öffentlichen Lebens im Vorort. Jetzt trafen sie sich, um die Presse über ihre Argumente zu informieren.

Gestern Vormittag in der Anlage des Kleingartenvereins Seckenheim. Auf den Bänken unter der Pergola sitzen zwei Dutzend Vertreter des öffentlichen Lebens des Vororts. Unter ihnen Stadträtin Marianne Seitz, Heimat-historiker Alfred Heierling, amtierende und ehemalige Vereinsvorsitzende. Eingeladen hat Berthold Arnold, der Chef der Angler.

„Wir in Seckenheim haben doch nur zwei Wahrzeichen“, erläutert der Gastgeber: „Den Wasserturm und den Brunnen. Und der gehört daher auf die Planken“, betont er unter dem Applaus der Anwesenden. „Ich bin bald 71“, sagt er: „In meiner Kindheit habe ich noch gesehen, wie die Puhlwagen von den Ochsen gezogen worden sind.“ Der Brunnen sei daher ein Stück Tradition: „Aber das interessiert einige im Bezirksbeirat offensichtlich nicht mehr so.“

Alfred Heierling, der bekannte Seckenheimer Ortshistoriker, sieht es genauso: „Als Brauchtumspfleger sage ich nur: Es gibt keine Alternative zum Brunnen auf den Planken!“, macht er klar und fordert eine Entscheidung durch die Bürger: „Wenn es eine Abstimmung gibt, dann bin ich überzeugt, dass sie zu Gunsten der Planken ausfallen wird.“

„Die zentrale Frage lautet doch: Wo ist der Mittelpunkt von Seckenheim?“, erläutert Werner Bordne, viele Jahre Chef der Interessengemeinschaft (IG) der Vereine: „Und das sind die Planken, daher muss der Brunnen wieder dorthin.“ Ohnehin sei die Bezeichnung Brunnen eigentlich unzutreffend, Wasser daher gar nicht nötig: „Er ist ein Denkmal. Und an dem Standort Hammonds verliert er vollkommen seinen Sinn und seine Wirkung, die wir ursprünglich verfolgt hatten.“

Auch den Künstler fragen

Zudem, so mahnt er, müsse man den Künstler, Professor Gernot Rumpf, fragen, ob er mit den Hammonds einverstanden wäre: „Denn der Brunnen wurde ja bewusst für die Planken konzipiert.“ Insofern plädiert Bordne für einen Standort direkt an der Ecke und eher nicht direkt vor dem Rathaus: „Der Brunnen muss wieder ein Blickfang sein.“

Die Sicht eines im besten Wortsinn alten Seckenheimers schildert Walter Volz, der die Bedeutung des Denkmals betont: „Ich bin 1924 in Seckenheim geboren, mein Vater und mein Großvater auch“, sagt der 94-Jährige: „Ich habe als Kind die Puhlwagen gesehen, wie sie am Wasserturm vorbei auf die Felder fuhren.“

„Die Bauern haben nach dem Kriee dafür gesorgt, dass wir nicht verhungert sind“, betont Dieter Fedel. Die Erinnerung an sie müsse daher ins Ortszentrum, auf die Planken: „400 Bürger haben dies mit ihrer Unterschrift unterstützt.“

„Elf Leute können sich nicht über die Meinung von 400 Bürgern hinwegsetzen“, beklagt ein anderer Redner das Votum des Bezirksbeirates, das dem in einer Unterschriftenaktion zum Ausdruck gekommenen Bürgerwillen entgegenstehe: „Wir sollten eine Bürgeraktion ins Leben rufen, die eine richtige Bürgerentscheidung herbei führt“, regt er an.

„Der Bezirksbeirat hat den Bürgerwillen nicht ernst genommen“, kritisiert auch Stadträtin Marianne Seitz: „Im Gegenteil, der Herr Fedel wird mit seinem Engagement ja gar nicht ernst genommen, und ich auch nicht.“ Doch sie betont: „Ich gebe nicht auf!“ Als erstes soll eine öffentliche Veranstaltung stattfinden, bei der sich die Bürger artikulieren können, danach der Gemeinderat darüber entscheiden; einen Antrag will Seitz dort einbringen.