Seckenheim

Die goldene Mitte suchen

Archivartikel

Konstantin Groß ermutigt zu Kompromissen

 

Die jüngsten Nachrichten aus der Stadtverwaltung bedeuten für die Seckenheimschule nicht nur Freude: Zwar werden die Gefahrenstellen in ihrem Pausenhof beseitigt; doch die lange ersehnte, nach pädagogischen Bedürfnissen ausgerichtete Umgestaltung ist einstweilen nicht in Sicht. Dies sorgt für Enttäuschung. Das ist verständlich.

Der Verweis der Stadt auf ehrenamtliches Engagement und Sponsoring für die Anschaffung der Ausstattung ist zwar richtig; er darf aber nicht die einzige Antwort bleiben. Mittlerweile sind die Bürger in den Stadtteilen für nahezu jede kommunale Einrichtung gefordert: von den Vorort-Rathäusern über die Schwimmbäder bis zu den Friedhöfen. Dass sie jetzt auch noch bauliche Maßnahmen an Schulen finanzieren sollen, überspannt den Bogen.

Erst recht, wenn die Bürger gleichzeitig registrieren, wie kostenintensive Großprojekte verwirklicht werden. Der Vorwurf, für Gartenschau und Nationaltheater-Sanierung „ist Geld da“, mag unsachgemäß sein, weil er die berühmten Äpfel mit Birnen vergleicht; doch er artikuliert eine Befindlichkeit, die die Kommunalpolitik nicht ignorieren darf.

Ähnliches gilt für die Argumentation der Stadt, wonach – überspitzt formuliert – Seckenheim warten muss, weil seine Sozialstruktur intakt ist. Dies tangiert die gesellschaftspolitische Grundsatzfrage, ob soziale Brennpunkte per se Vorrang haben müssen vor intakten Quartieren. Abgesehen davon, dass scheinbar „gute Viertel“ bei Unterlassungen schnell „kippen“ können, ist auch in dieser Frage wohl der Mittelweg der richtige.

Auf der anderen Seite müssen die Forderungen vor Ort im Rahmen bleiben: Wenn für die Umgestaltung bis zu 800 000 Euro veranschlagt werden, dann ist das immerhin der Wert zweier Einfamilienhäuser. Sicher ist davon vieles pädagogisch oder durch Sicherheitsvorschriften geboten, manches jedoch vielleicht auch entbehrlich. Daher sollten alle Beteiligten noch einmal in sich gehen, um das Notwendige vom Wünschenswerten zu trennen.